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Nachteile für Alleinerziehende : Vater und Mutter haben, das heißt noch gar nichts

Ein anderes beliebtes Argument der Gegner der Ehe für alle klingt nicht minder zynisch, wenn man die Situation etlicher Scheidungskinder in Deutschland betrachtet: Ein Kind habe doch das Recht auf Vater und Mutter, hieß es. Doch Vater und Mutter zu haben heißt noch gar nichts: Nach Angaben des Deutschen Jugendinstituts verlieren zwischen 17 und 33 Prozent der Kinder nach der Trennung der Eltern den Kontakt zum Vater – je nach Studie. Das liegt nicht nur daran, dass bei Trennungen gern Porzellan zerschlagen wird, sondern auch daran, dass deutsche Richter nicht darauf eingestellt sind, zwischen den Elternteilen zu vermitteln.

Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht: „Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.“ Doch gerichtlich durchgesetzt wird nicht das Umgangsrecht des Kindes, sondern nur das der Eltern. Manchmal, wie im bekanntgewordenen Fall des Mädchens Charlotte in Berlin, wundert man sich, wozu die Behörden da fähig sind: Charlotte wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Wochenenden bei ihrem Vater, der kaum Zeit für sie hatte, sondern sie meist bei seiner Lebensgefährtin ablieferte. Mit jeder erzwungenen Begegnung wuchs ihre Angst vor ihrem Vater. Nur der Mutter zuliebe sei sie noch hingegangen, sagte sie später der „Berliner Zeitung“. Der Vater hingegen witterte eine Manipulation der Mutter, beantragte erfolgreich das alleinige Sorgerecht, schloss Charlotte in seinem Haus ein und ließ sie nach ihrer Flucht in einem geschlossenen Heim unterbringen. Sie durfte mit niemandem Kontakt aufnehmen, auch nicht mit ihrer Mutter, nicht mal zur Schule gehen oder Bücher lesen oder mit einer Therapeutin sprechen. Da war das Mädchen neun Jahre alt.

Auch Väter verdienen Schutz

Einem Kind dagegen, das seinen Vater sehen möchte, der kein Interesse hat – dem möchten alle Beteiligten die Enttäuschung eines erzwungenen Nachmittags mit einem unwilligen Elternteil ersparen. Vor allem aber ist niemand dafür zuständig, mit Kindern und Eltern ein Modell auszuhandeln, mit dem alle einigermaßen zufrieden sind. In Dänemark müssen Eltern sich erst auf ein Modell der Kinderbetreuung einigen, ehe sie die Scheidungspapiere erhalten. Hierzulande verlässt man sich darauf, dass erwachsene Menschen das schon irgendwie hinbekommen werden. Ein Irrtum, der viele Kinder von ihren Vätern entfremdet.

Was ist nun also eine Familie und verdient damit besondere Unterstützung? Alle Menschen, die Kinder aufziehen, oder manche von ihnen besonders? „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft“, heißt es im Artikel 6 des Grundgesetzes – ein sonderbares Relikt, dass hier nichts von Vätern steht. Sollte sich herausstellen, dass eine Konkretisierung des Grundgesetzes zur Ehe für alle doch notwendig ist, wäre das eine gute Gelegenheit: Auch diesen Passus muss man endlich ins 21. Jahrhundert holen.

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