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Nachteile für Alleinerziehende : Vater und Mutter haben, das heißt noch gar nichts

Gestiegenes Armutsrisiko für Alleinerziehende

Das ist doppelt irritierend. Die Förderung dieses Modells bildet nämlich weder die heutigen Bedürfnisse der Industrie noch die heutigen Bedürfnisse der meisten Menschen ab. Und auch längst nicht mehr die Linie der Regierung – schließlich hat die 2007 das Elterngeld eingeführt, um dafür zu sorgen, dass mehr Frauen arbeiten und zugleich Kinder haben können, weil damals schon längst klar war, dass sich manche Frauen sonst gegen Kinder entscheiden würden. Außerdem muss ein Paar sich dieses Modell leisten können. Leben ist teuer, Kinder sind es auch. Die Alleinverdienerehe wird mehr und mehr zum Nischenphänomen. Einer Studie des DIW zufolge verdiente im Jahr 2000 in gut einem Drittel der Ehen noch ausschließlich der Mann das Geld. 2011 war dieser Anteil bereits auf ein Fünftel gesunken. Bei Ehen mit Kindern liegt der Anteil etwas höher: 2015 hatte ein Viertel der klassischen Familien nur ein Einkommen.

Die Zahl der Alleinerziehenden hingegen steigt. Die ältesten vergleichbaren Zahlen gibt es von 1996, zuvor wurden Alleinerziehende mit Alleinstehenden einfach zusammengefasst – allein das ist schon absurd genug. 1996 also wurden vom Statistischen Bundesamt 1,3 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern gezählt. Die jüngsten Zahlen stammen von 2015 und nennen 1,644 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Insgesamt waren es 2,74 Millionen Alleinerziehende mit Kindern, die noch bei ihnen wohnten.

Wie es diesen Familien finanziell geht, zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung von 2016: „Das Einkommensarmutsrisiko betrug bei Alleinerziehenden im Jahr 2014 nach den Ergebnissen des Mikrozensus 41,9 Prozent. Dabei ist das Armutsrisiko für Alleinerziehende seit 2005 um 6,6 Prozent gestiegen“, schreiben die Autorinnen der Studie. 2014 bekam die Hälfte der Alleinerziehenden für ihre Kinder gar keinen Unterhalt gezahlt. Ein Viertel bekommt ihn nur unregelmäßig oder weniger, als den Kindern laut Düsseldorfer Tabelle zusteht. Der Staat hilft mit dem Unterhaltsvorschuss aus, aber den gibt es erstens nicht in der gleichen Höhe wie normalen Unterhalt und zweitens erst seit dem 1. Juli länger als sechs Jahre.

Ein Recht auf Vater und Mutter?

Natürlich gibt es Alleinerziehende, bei denen ein Elternteil oder beide so viel verdienen, dass sie sich zwei Haushalte und steuerliche Nachteile locker leisten können. Aber das ist nicht die Regel. 37,6 Prozent der Alleinerziehenden beziehen laut Bertelsmann-Studie Hartz-IV-Leistungen. Alleinerziehende verdienen nicht nur besonderen Schutz, sie brauchen ihn auch. Unverheiratete Paare mit Kindern werden auch steuerlich benachteiligt, haben aber immerhin zwei Erwachsene, die finanziell zum Haushalt beitragen können – und im Gegensatz zu vielen Alleinerziehenden haben sie zumindest theoretisch jemanden zum Heiraten da.

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