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Raubkunst und Rückgabe : Dieses Blut gehört dem König

  • -Aktualisiert am

Das Rittertum in voller Blüte war kein europäischer Alleinbesitz, wie diese Berliner Benin-Bronze zeigt. Bild: Picture-Alliance

Die Benin-Bronzen sind die Galionsfiguren der Restitutionsdebatte. Doch ihre Geschichte wird heute in einer bereinigten Fassung erzählt.

          8 Min.

          Objekte können Geschichten erzählen. Aber es braucht Erzähler und Erzählerinnen dazu. In ihren Händen liegt die Deutungsmacht. Geschichten können manche Ereignisse hervorheben und andere verschweigen. Zeittypische Politik spielt immer mit. Über die weltberühmten Benin-Bronzen, die heute so etwas wie die Galionsfiguren der Restitutionsdebatte darstellen, wird eine postkoloniale Geschichte erzählt. Sie handelt von der gewaltsamen Aneignung von etwa 4000 Kunstgegenständen aus dem Palast des Königreichs Benin (im heutigen Nigeria) durch die Briten im Jahre 1897. Das Fazit dieser Geschichte scheint klar: Die Briten waren Plünderer und somit Täter; der König und seine Entourage die wehrlosen und vermeintlich friedfertigen Opfer.

          Deshalb – so die lautstarken Forderungen von Aktivisten – müssten die Benin-Bronzen zurückgegeben werden. Diese Forderungen basieren jedoch auf einer zurechtgetrimmten Objektgeschichte, die all das ausblendet, was nicht zu ihr passt, und sich eines simplen Täter-Opfer-Schemas bedient. Hinzu kommt, dass die Protagonisten der Rückgabeforderungen an das Kriegsgeschehen von 1897 die Messlatte der humanitären Errungenschaften des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts in Europa anlegen: Menschenrechte, Ahndung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, humanitäres Völkerrecht.

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