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Künstliche Intelligenz : Schwarz? Unsichtbar!

Ohne Maske wurde sie nicht erkannt: Joy Buolamwini, Computerexpertin am MIT, gründete die Algorithmic Justice League. Bild: Picture-Alliance

Menschen mit dunkler Hautfarbe werden von Algorithmen systematisch ignoriert, mit teilweise äußerst unangenehmen Folgen. Das Problem ist uralt – und die Lösung eigentlich ganz einfach.

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          Die Software Zoom hat in den vergangenen Monaten eine erstaunliche Popularität erfahren. Geburtstage, Chorproben, Arbeitstreffen – mit Zoom ließ sich all das mehr oder weniger gut abwickeln. Umso erstaunter war der Erziehungswissenschaftler Colin Madland, so berichtet er auf Twitter, als ein Mitglied seiner Fakultät der Universität im kanadischen Victoria ihn bat, die Software nicht mehr zu verwenden. Dieser werde nämlich, schalte er die Hintergrundbildfunktion ein, die Zoom anbietet, als kopfloser Rumpf dargestellt. Sein Gesicht werde nur dann abgebildet, wenn er sich vor einen Globus plaziere. Die Bildschirmfotos, die Madland von den Gesprächen mit seinem kopflosen Kollegen dazustellt, sind einigermaßen komisch, das Problem, das der Fehldarstellung zugrundeliegt, ist es ganz und gar nicht. Der Algorithmus von Zoom ist offenbar eher bereit, einen Globus als Gesicht zu erkennen als ein echtes Gesicht mit schwarzer Hautfarbe.

          Madlands Tweet bekam zigtausend anerkennende Likes, dabei ist der von ihm benannte Grundfehler kein neuer. Schon chemische Farbfilme wurden nach einer Farbreferenz entwickelt, die man als „Shirley card“ bezeichnete, weil darauf eine weiße Frau namens Shirley abgebildet war. Weiße Haut wurde auf Farbfotografien entsprechend naturgetreu dargestellt, von schwarzen Gesichtern sah man meist nur Augen und Zähne. Das änderte sich erst, als sich in den siebziger Jahren Produktfotografen beschwerten, unterschiedliche Holztöne und Schokoladen würden schlecht dargestellt, der Unterschied zwischen Nussbaum und Mahagoni sei ebenso wenig zu erkennen wie der zwischen Vollmilch und Halbbitter. Erst in den neunziger Jahren warb Kodak damit, dass der Farbfilm Gold Max helle wie dunkle Haut gleichermaßen gut darstellen könne. Ebenfalls in den neunziger Jahren entwickelte Philipps in Holland ein Kamerasystem, mit dem man einen separaten Farbabgleich für helle und dunkle Hauttöne vornehmen konnte. Oprah Winfrey gehörte mit ihrer Show zu den ersten Kundinnen.

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