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Rapper Denis Cuspert : In Allahs Gang

Zwischen Knast und erstem Album: Deso Dogg, 2004 Bild: IMAGO

Denis Cuspert wollte immer dazugehören, früher zu den Jungs am Kottbusser Tor, heute zu Islamisten in Syrien. Eine Spurensuche führt in die Zeit zurück, als Cuspert noch der Rapper Deso Dogg war.

          Anfang der Woche hat der Rapper Charnell im Internet die Nachrichten gecheckt. Er macht das nicht mehr so sorglos und nebenbei wie früher, denn es sind jetzt oft üble Neuigkeiten über seinen alten Kumpel Deso Dogg dabei. Charnell und Deso kennen sich, seit sie Kinder waren. Sie haben zusammen gerappt, geklaut, geprügelt, mit Messern zugestochen und ziemlich viele Leute ins Krankenhaus gebracht. Verglichen mit dem, was Deso Dogg inzwischen macht, ist das alles Kinderkram.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Berliner Konvertit, Deutsch-Ghanaer und Ex-Rapper Denis Cuspert, wie Deso Dogg mit bürgerlichem Namen heißt, bewegt sich jetzt gewissermaßen in anderen Sphären, mit denen Charnell, wie er betont, nichts zu tun haben will: Vor anderthalb Jahren schlug er in Bad Godesberg mit salafistischen Glaubensbrüdern fast einen Polizisten tot - angeblich, um die Ehre Mohammeds zu verteidigen -, dann rief er im Internet dazu auf, Deutsche als Geiseln zu nehmen, damit Verhaftete freikommen („Oh Bruder, die Deutschen sind zum Greifen nah. Wir werden sie gefangen nehmen, bis du frei bist für deine edle Tat!“).

          Gewalttätig und bewaffnet

          Er predigte den Dschihad und tauchte, bevor die Polizei auch ihn verhaften konnte, unter. Quasi über Nacht war er unter den Namen Abu Malik und Abu Talha al-Almani zum Poster-Boy des deutschsprachigen muslimischen Extremismus avanciert - unmöglich, seine ganzen Youtube-Auftritte zu zählen. Ist eine Kamera auf ihn gerichtet, dann trägt Denis Cuspert meistens eine Jacke in Fleckentarn, dazu ein schwarzes Kopftuch. Es lässt sein dunkles Gesicht geheimnisvoll leuchten, und wenn man einmal den Ton abschaltet und Cuspert nicht mehr gegen den Westen und andere Dinge hetzen hört, dann muss man zugeben: Er sieht ziemlich anziehend in diesen Videos aus.

          Vermutlich in Syrien: Cuspert unter Islamisten

          Charnell sagt: „Er kann lächeln, er kann dir in die Augen sehen, da schmilzt man dahin.“ Hüseyin, einer aus Denis’ alter Clique vom Kottbusser Tor in Kreuzberg, sagt: „Es war schwer, ihm lange böse zu sein, er war wirklich sehr charismatisch.“

          Seit einigen Tagen ist Denis Cusperts Gesicht, dessen Wirkungsmacht offenbar auch die Rekrutierungsexperten einiger islamistischer Gruppierungen erkannt haben, auf einem Poster zu sehen. „Terrorismus“ steht in dicken Buchstaben über seinem Foto. Darunter hat das Bundeskriminalamt notiert: „Die abgebildete Person ist verdächtig, terroristische Anschläge gegen westliche Einrichtungen und Interessen zu planen.“ Cuspert, 178 cm groß, athletisch, dunkle Haare, sei gewalttätig und möglicherweise bewaffnet.

          Keiner weiß Bescheid

          Es braucht nur wenige Worte, um das tödliche Potential eines Menschen zu skizzieren. Doch wer ist Denis Cuspert? Wer war er, bevor er sich dem bewaffneten Dschihad anschloss? Und vor allem: Wieso hat er sich radikalisiert? Fragt man Charnell oder Cusperts alte Clique am Kottbusser Tor, wo Cuspert früher gerne in den Läden saß und mit den Leuten plauderte, kommen die Antworten nur zögerlich. Am Kotti ist man nicht besonders gut zu sprechen auf ihn. Einer, der sich Murat nennt, will erst nichts sagen und sagt dann doch: „Er war immer mein Freund, eine Stunde täglich war er zum Chillen hier. Aber dann ist er nach Mekka. Andere kommen voller Frieden zurück, er hat hier kaum noch jemanden gegrüßt. So was macht man doch nicht!“ Am besten, man vergesse ihn, dem Ruf des Islam und dem des Kotti tue er schon lange nicht mehr gut, ständig komme immer Schlimmeres über ihn ans Licht. Früher war Denis da, da konnte man mit ihm reden. Jetzt erfahren seine alten Weggefährten nur noch alles aus dem Internet. Sie rudern durch die Enthüllungen der vergangenen Monate wie durch Nebelschwaden an einem Herbstmorgen auf dem Berliner Landwehrkanal.

          In Internetforen kursierten bis vor kurzem Gerüchte, er sei in Ägypten, dann hieß es, er habe im Sudan „unglücklich mit Sprengstoff hantiert“ und dabei sein Leben verloren. Dann ein erstes Lebenszeichen, in Form eines „Nashid“, eines jener islamistischen Kampflieder, auf die Cuspert sich spezialisiert hat, nachdem er dem Rap aus religiösen Gründen den Rücken gekehrt hatte. „Wir sind ausgewandert in die Welt auf dem Weg Allahs“, singt Cuspert darin und weiter: „Die schwarzen Flaggen heben wir und reiten in die Schlacht, nach Jerusalem zur Befreiung unserer Heiligen Stadt!“

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