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Qatars Hoffnung : Sheika Moza bint Nasser, Königin im Wüstenparadies

Zwischen den Zeiten: Ob Robe oder Verstand, Sheika Moza bint Nasser al-Misned sucht Brücken zwischen gestern und morgen zu schlagen. Bild: AFP

Die märchenschöne Sheikha Moza bint Nasser macht sich filmtauglich dafür stark, dass Qatar mit Hilfe seiner Erdgasmilliarden ein modernes Land wird - und seine Bewohner ein bisschen gesünder.

          5 Min.

          Die einflussreichste Frau des kleinen, am Persischen Golf gelegenen Emirats Qatar trug an diesem Tag eine schwarze Abbaya und um den Kopf geschlungen ein schwarzes Tuch. Auf ihrem Nasenrücken saß, weit nach vorne geschoben, eine Brille. Ihr Gesicht war stark geschminkt, sie stand auf einem Podium, vor ihr saßen etwa tausend Leute, es war der Auftakt zum „World Innovation Summit for Health“ in Doha. Die Frau, die hier sprach, heißt Sheikha Moza bint Nasser, ist 54 Jahre alt, schön, gebildet, Mutter von sieben Kindern und die zweite von drei Ehefrauen des Scheichs Hamad bin Chalifa Al Thani.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Eine Selbstinzenierungskünstlerin, deren öffentliche Auftritte bis ins kleinste Detail durchchoreographiert sind. Gibt man ihren Namen bei Google ein, schlägt einem die Suchmaschine die Kombinationsstichwörter „fashion“ und „before plastic surgery“ vor. Auf der „Best dressed“-Liste der „Vanity Fair“ hat sie einen festen Platz. Es besteht kein Zweifel, dass Sheikha Moza bint Nasser neben dem Erdgas der wichtigste Trumpf Qatars ist, einem der reichsten Länder der Welt. Die Menschen bauen auf sie, und sie baut auf die Menschen. Sheikha Moza bint Nasser ist so etwas wie die Diana des Nahen Ostens.

          Sie sprach also über die Kraft von Innovationen und davon, wie wichtig es sei, ein Gesundheitsbewusstsein in den Köpfen der Menschen zu etablieren, sie zu sensibilisieren für ihren Körper und eine gesunde Lebensweise. Jedenfalls sollte diese Konferenz, das schwang im Subtext unmissverständlich mit, die Welt ein klein wenig besser machen.

          Die Modernisierung überrollt das Land

          Eine halbe Stunde hatte die Fahrt vom Stadt- zum Kongresszentrum gedauert. Erst ging es entlang der Corniche mit Blick auf die in der Sonne Las-Vegas-haft funkelnde Skyline, die jeden Tag anders aussieht, weil permanent ein neues Gebäude entsteht, dann durch eine staubige, karge Gegend, zugestellt mit Baustellen, von denen man nicht wusste, wo sie anfangen und wo sie enden. Die Straßen waren gesäumt von zurechtgestutzten Hecken und schmalen sattgrünen Rasenstreifen, auf denen Menschen hockten und das Wachstum der Blumen begutachteten.

          Die Modernisierung überrollt das Land, das einfach nicht hinterherkommt mit dem Bau ganzer Stadtviertel und auch nicht dem Geist, der noch in den Schranken einer absoluten Monarchie denkt. Eine freie Presse gibt es nicht, Kritik an der Herrscherfamilie ist unerwünscht. Bevor die Fifa die absurde Entscheidung traf, 2022 in Qatars 45-Grad-Sommerhitze in tiefgekühlten Stadien die Fußball-Weltmeisterschaft auszutragen, hatten die meisten noch nie von dem Emirat gehört. Doch nun ist das wie ein Daumen ins Meer ragende Qatar auf der Landkarte der Weltöffentlichkeit verzeichnet.

          Dass die zumeist nepalesischen und indischen Gastarbeiter, die zu Hunderttausenden in der Wüste Stadien hochziehen, immer wieder wie tote Fliegen von den Baugerüsten fallen, ist Tatsache. Qatar wird, wenn es dieser Form von Sklaverei nicht sehr schnell Einhalt gebietet, ein Problem bekommen, das mit Erdgas-Geld nicht zu lösen ist. Eigentlich hat es das jetzt schon. Der Schutz von Menschenrechten sei dem Land wichtig, ließ der Sohn der Sheikha und neue Herrscher, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, unlängst verlauten. Man arbeite daran.

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