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Reportage zu Nord Stream 2 : Putins Rohre

Das russische Rohrverlegeschiff „Akademik Cherskiy“ im Hafen von Mukran bei Sassnitz Bild: Andreas Pein

Eine Kleinstadt auf Rügen wird plötzlich zum Zentrum der Weltpolitik. Es geht um Russland, Trump und Nord Stream 2. Doch was bedeutet das für Menschen, die dort wohnen? Vier Tage in Sassnitz.

          8 Min.

          Sie liegen da wie Wesen aus der Vorgeschichte; erhaltene Kadaver. Ihr Schwarz ist manchmal heller, manchmal dunkler, und ihre Oberfläche sieht rauh aus, wie die Haut von Alten. Es sind die Rohre, die der Grund dafür sind, dass sich Russland, Amerika, Europa streiten.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ihre Geschichte ist eher „Der Prozess“ als „Effi Briest“, obwohl vom Ort ihrer seltsamen, dunklen Story Fontane schrieb, nicht Kafka: Sassnitz. Oder wie Innstetten zu Effi sagt: „Nach Rügen reisen heißt nach Saßnitz reisen.“

          Alles beginnt im Rathaus und mit einem Mann, der K. heißt. Frank Kracht hat braune Igelhaare und ist der Bürgermeister dieser Kleinstadt. Doch seit August ist er berühmt, weniger Bürgermeister, mehr Minister für schwarze, geheimnisvolle Rohre. Denn da bekam sein Hafen Mukran, bekam Frank Kracht einen Brief. Absender: „United States Senate“, unterschrieben von Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson. Es ging um diese schwarzen Wesen, um Nord Stream 2, die Leitung, die Gas aus Russland nach Deutschland liefern soll. Kracht holt den Brief, legt ihn auf seinen Tisch und streichelt das Papier, wie man sonst Katzen streichelt: sanft und kurz.

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