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Chaos Communication Congress : Wie pünktlich ist die Bahn wirklich?

Am Bahnsteig darf die Bahn gern polieren, die Verspätungsstatistik nicht so gern: Bauarbeiten am Leipziger Hauptbahnhof im September 2014. Bild: Picture-Alliance

Ein Datenexperte wertete ein Jahr lang die Fahrplandaten aller deutschen Fernverbindungen aus. Jetzt weiß er, an welchen Bahnhöfe die meisten Verspätungen entstehen und wann die Bahn einen Zug aufzugeben scheint.

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          Drei Viertel aller Züge kommen pünktlich an, sagt die Bahn, also mit unter sechs Minuten Verspätung beim jeweiligen Bahnhof. Wer häufig mit dem Zug fährt, für den mag das unwahrscheinlich klingen, die gefühlte Wahrheit sieht nämlich oft anders aus: Fast jedes Mal ist irgendwas. Dieser gefühlten Wahrheit des häufigen Bahnfahrers hat sich auf dem Chaos Communication Congress der Data Scientist David Kriesel in einem sehr unterhaltsamen Vortrag angenommen. Kriesel wohnt in der Nähe von Bonn – dieses Detail wird noch wichtig werden –, fährt oft mit dem Zug und betrieb die folgende Studie unter dem Titel „BahnMining – Pünktlichkeit ist eine Zier“ als privates Hobbyprojekt.

          Dass das mit den 75 Prozent Pünktlichkeit nicht hinhaut, entnahm Kriesel seinem E-Mail-Postfach, das voller „Verspätungsalarm“-Meldungen seiner letzten Bahnfahrten war. Also begann er am 8. Januar, „die Bahn zu vorratsdatenspeichern“, wie er sagt, die Grundlage bildet jeweils die Pünktlichkeit an den Stops, die im Verlauf einer Fahrt auch schwanken kann. Manche Züge holen ja Verspätung wieder auf, manche dagegen reißt es irgendwann richtig rein.

          Die Bahn hat öffentliche Schnittstellen, über die man die Fahrplandaten abrufen kann, wenn man ein Datenexperte ist. Kriesel rief, die Datenmenge ist ungeheuer groß, stündlich nur die Fernbahnhöfe ab, denn seine Studie konzentrierte sich allein auf den verspätungsgeplagten Fernverkehr – auch, weil der Nahverkehr zu 99 Prozent pünktlich ist. Vorsichtshalber fragte er die Bahn um Erlaubnis, die Daten herunterladen und einen kleinen Community-Vortrag darüber halten zu dürfen (die fünftausend Zuschauer im knüppelvollen „Saal Ada“ lachen an dieser Stelle herzlich), was das Unternehmen freundlicherweise genehmigte.

          „Es gibt etwas an Berlin, das funktioniert“

          Nun also ans Eingemachte: Kriesel kennzeichnete zunächst die Bahnhöfe seiner Untersuchung farblich, blau steht für Pünktlichkeit, rot für Verspätungsanfälligkeit. Es gibt tatsächlich mehr oder weniger pünktliche Bahnhöfe, in Ostdeutschland zum Beispiel ist alles blau, dort klappt es mit der Bahn. Alles um Köln und Bonn herum glüht dagegen tiefrot, dazu kommt Hamburg als rote Insel im Norden. Und da kommt nun Kriesels Wohnort zum Tragen: Natürlich ist nicht jeder Zug immer verspätet, aber, so Kriesel, „ich wohn' nur schlecht“.

          Außerdem gibt es Bahnhöfe, die Verspätung generieren. Das sind wieder Köln, Hamburg, Frankfurt-Flughafen und, am allerschlimmsten – der Frankfurter Hauptbahnhof. Das stimmt zumindest mit der gefühlten Wahrheit der Autorin dieses Textes überein und erklärt einiges. Umgekehrt gibt es Bahnhöfe, in denen es so flott geht, dass der Zug in ihnen Verspätung gut machen kann, das sind etwa Bremen, Berlin Hauptbahnhof und Berlin Spandau. „Es gibt tatsächlich etwas an Berlin, das funktioniert“, folgert Kriesel.

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