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Umgang mit Fall Susanna F. : „Es geht darum, einem Gefühl Luft zu machen“

„Wir müssen aufpassen, dass hier nicht ein Teil der Bevölkerung mit einem Generalverdacht belegt wird.“: Gedenken an die getötete Schülerin Susanna F. Bild: dpa

Der Mord an Susanna F. hat den Gefühlshaushalt unserer Gesellschaft durcheinander gebracht. Ein Gespräch mit dem Psychotherapeuten Thorsten Kienast über schnelle Impulse und übereilte Einschätzungen.

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          Herr Kienast, der Fall des ermordeten Mädchens Susanna F. schlägt hohe Wellen. Die Gedenkstätte ist von Blumen gesäumt, andernorts ist von einem „Opfer der Toleranz“ und der Verantwortung Angela Merkels für den Tod der Schülerin die Rede.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Mord an diesem Mädchen ist fürchterlich, und die Justiz nun gefordert, hier für eine angemessene rechtsstaatliche Aufarbeitung zu sorgen. Diese von Ihnen genannten Botschaften sind gesellschaftlich sehr gefährlich, weil sie die Tat einer Einzelperson mit dem kollektiven Verhalten einer bestimmten Gruppe von Menschen gleichsetzt und so das konstruktive Zusammenleben verschiedener gesellschaftlicher Gruppen deutlich erschwert. Wir müssen aufpassen, dass hier nicht ein Teil der Bevölkerung mit einem Generalverdacht belegt wird. Das Aussprechen einer solchen generellen Vermutung entspricht einem psychologischen Automatismus beim Menschen, der gut erforscht ist. Im ersten Impuls ist er fast nie faktenbasiert. Solche abartigen Taten finden, wie der jüngste ebenfalls diskutierte Fall der Kindesmisshandlung in Freiburg belegt, auch außerhalb bestimmter Gruppierungen statt und sind zunächst einmal als Folgen des antisozialen Verhaltens einzelner Personen zu bewerten.

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