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Protest in Iran : Hidschab und die Würde der Frauen

Schon Mädchen im Alter von neun Jahren sind in Iran gesetzlich dazu verpflichtet, sich zu verhüllen. Bild: AFP

Sie stehen auf öffentlichen Plätzen und protestieren gegen den Hidschab-Zwang: In Iran riskieren Frauen ihre Freiheit.

          Das iranische Regime hat die Demonstrationen gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und soziale Missstände zu Beginn des Jahres niedergeschlagen. Protestaktionen gibt es jedoch immer noch. Die Akteurinnen sind vor allem mutige Frauen. Mit Kopftuch oder ohne stehen sie auf öffentlichen Plätzen und halten in der hochgereckten Hand einen Stock, an den ein Hidschab gebunden ist. Die Frauen sind jung oder alt - ein Video, das in den sozialen Medien kursiert, zeigt eine ältere Dame, die in einem verschneiten Park auf den Rand eines Brunnens geklettert ist und ihr Kopftuch an ihrem Krückstock schwenkt.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sie und die anderen Frauen folgen dem Beispiel von Vida Movahed: Die 31-jährige Mutter eines kleinen Kindes hatte sich am 27. Dezember in einer Hauptverkehrsstraße von Teheran auf einen Stromkasten gestellt, ihr weißes Kopftuch heruntergezogen, es an einen Stock geknotet und ihn wie eine Fahne in der Luft geschwenkt. Viele Minuten lang harrte Vida Movahed so aus, kerzengerade und mit langem, offenem Haar. In Windeseile verbreiteten sich Fotos davon in den sozialen Medien.

          Das sichtbarste Zeichen der Diskriminierung

          Vida Movaheds Protest war stumm, aber jeder verstand, worum es ihr geht: Frauen müssen sich in Iran seit vierzig Jahren verhüllen. Die Ajatollahs machten den Hidschab zu einem Symbol der islamischen Republik, seitdem ist er das sichtbarste Zeichen der Diskriminierung von iranischen Frauen. Schon Mädchen im Alter von neun Jahren sind per Gesetz dazu verpflichtet, ihn zu tragen. Bei Zuwiderhandlung drohen Gefängnis, Geldstrafen und öffentliche Demütigung. Dem Regime ergebene Frauenbrigaden patrouillieren in schwarzen Tschadors durch die Straßen und wachen darüber, dass jede Frau sich an die Kleidervorschrift hält. Zwar ist es den Iranerinnen gelungen, die Vorschriften durch sanften Widerstand aufzuweichen - besonders in den Straßen von Teheran begegnet man Frauen, deren Kopftuch das Haar nur locker umspielt. Hardliner und konservative Kleriker verstehen den iranischen Slogan "Ya rusari ya tusari", "entweder ein Tuch auf dem Haar oder Schläge", aber noch immer wörtlich.

          Für iranische Frauenrechtlerinnen stand der Widerstand gegen den Hidschab-Zwang über viele Jahre hinweg nicht an erster Stelle. Ohne besonders erfolgreich zu sein, konzentrierten sie sich auf den Kampf für politische Gleichberechtigung. Kamen westliche Frauenrechtlerinnen zu Besuch, beugten diese sich den Kleidervorschriften und festigten sie dadurch. Immer mehr Iranerinnen haben sie jedoch satt: Wer nicht selbst bestimmen darf, was er auf dem Kopf trägt, dem wird auch nicht zugestanden, selbst zu entscheiden, was in diesem Kopf vor sich geht. Auch Männer unterstützen mittlerweile die Forderung der Frauen.

          Vida Movahed ist nach ihrer Protestaktion verhaftet worden. Sie kam erst vor wenigen Tagen wieder frei. Die Haft habe sie so schwer eingeschüchtert, dass sie sich erst einmal nicht öffentlich zeigen wolle, teilte ihre Anwältin mit. Die Wirkung des Bildes, das am 27. Dezember von Vida Movahed entstand, ist aber nicht mehr aufzuhalten. Das iranische Regime behauptet, der Hidschab beschütze die weibliche Würde. Doch das Foto der unverschleierten Vida Movahed zeigt eine Frau, wie man sie lange nicht gesehen hat in Iran: eine Frau voller Würde.

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