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Pro Handynutzung von Kindern : Nicht der Gebrauch, sondern die Maßlosigkeit ist das Problem

Nur nicht alleinlassen: Ein Handyverbot für Kinder führt am Ziel der Initiative vorbei. Bild: dpa

Ein Handyverbot für Kinder würde zwar diejenigen stärken, die sich schwertun, dem Kind das eigene Smartphone zu verwehren. Aber wer genauer hinsieht, merkt: Die Forderung führt am Kern des Problems vorbei.

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          Mit der einen Hand am Kinderwagen, der anderen am Smartphone. An der Sandkiste, vom Gerät hin und wieder für ein Wort der Ermunterung aufschauend. Selbst im Gespräch auf dem Weg zum Kindergarten nebenbei einen Blick auf die jüngsten Nachrichten werfend: Wer das Verhältnis von Kindern zu Smartphones mit Sorge betrachtet, sollte den Kopf heben, um auch die Eltern in den Blick zu nehmen. So sieht man unweigerlich, welchen Eindruck diese Dinger auf den Nachwuchs machen müssen, noch bevor er laufen und sprechen lernt. Mit seinen Spielen und Filmen und Kommunikationsmöglichkeiten ist das Gerät nicht nur eine Attraktion an sich: Mit ihrem eigenen Verhalten messen die Eltern ihm einen familiären Aufmerksamkeitsrang bei, der oft genug immer wieder über dem der eigenen Kinder liegt. Wie oft werden Kinder mit teilnahmslosen Antworten abgefertigt, während der Fokus Erwachsener auf dem Smartphone in ihren Händen liegt?

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Wer diese Geräte für Kinder verbieten lassen will, kommt an der Instanz der Eltern nicht vorbei. Sie sind nicht nur diejenigen, die ein solches Verbot durchsetzen müssten, sondern sie nutzen die Telefone ihrerseits oft genug, um ihre Kinder – etwa im Restaurant – ruhigzustellen. Solange die Kleinen noch kein eigenes Smartphone haben, sind die Eltern erleichtert, mit einem einzigen Gerät eine einfache Antwort auf die unterschiedlichsten Stimmungen und Bedürfnisse der Kinder zu haben.

          „Alle anderen dürfen aber“

          Wenn sich der Bewegungsradius ihrer Kinder später erhöht – mit dem Schulweg, den ersten unabhängigen nachmittäglichen Unternehmungen –, bietet ein eigenes Gerät der Kinder Eltern die Annehmlichkeit, mit ihnen jederzeit in Kontakt treten zu können oder auch mittels einer eigens installierten App zu verfolgen, wo sie sich gerade aufhalten, und sogar Warnhinweise zu bekommen, wenn sie zuvor festgelegte, unbedenkliche Orte und Wege verlassen. Wer einmal erlebt hat, wie der Elternabend einer neunten Klasse auf die Ankündigung reagiert, bei der anstehenden, einwöchigen Klassenfahrt würden die Smartphones der Schüler eingesammelt, um deren unmittelbare Kommunikation zu fördern, weiß, wie eng kindlicher Gebrauch der Geräte und elterliche Erwartungen verknüpft sind.

          Ein Verbot würde hier zwar diejenigen stärken, die sich schwertun, als vermeintlich letzte oder einzige dem Kind das eigene Smartphone zu verwehren. „Alle anderen dürfen aber“: Der Vorwurf, mit echter Verzweiflung vorgetragen, ist nicht ganz einfach auszuhalten und kann den Familienfrieden gefährden. Doch ein solches Verbot würde auch manche Eltern einladen, die Vorgabe heimlich zu übergehen, zur Begeisterung des eigenen Nachwuchses. Eltern könnten so zu Komplizen ihrer Kinder werden, statt – noch so ein Phänomen, das sich vielfach beobachten lässt – Grenzen zu setzen und beim Blick auf das Kindeswohl größeren Weitblick zu beweisen als das Kind selbst. Es würde zudem Kindern den Zugang zu einem Gerät verwehren, das aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist, und so erst recht Begehrlichkeiten wachsen lassen. Und es lassen sich ja auch unbedenkliche, altersgerechte, originelle Angebote darauf installieren.

          Nur nicht alleinlassen

          Nicht grundsätzlich der Gebrauch, sondern die Maßlosigkeit ist das Problem bei Kindern und Smartphones. Bei Erwachsenen und Smartphones übrigens in gleicher Weise. Dass sich die Geräte als vermeintlich idealer Zeitvertreib aufdrängen, betrifft nicht nur Momente des Leerlaufs und der Langeweile, also Zeiten, die Pädagogen und Psychologen zu den versteckt wichtigen Phasen im Tagesablauf zählen. Es betrifft in gleicher Weise Zeiten, die sonst dem familiären Austausch, dem Kontakt, der Gemeinsamkeit vorbehalten wären. Und die viel zu selten für Erkundungen genutzt werden, in jenem Wahrnehmungsmodus, der unterwegs, draußen zum Einsatz kommt und einen so wichtigen Ausgleich bietet zum Alarmzustand, in dem viele digitale Attraktionen unsere Köpfe halten.

          Doch wir müssen unseren Kindern die Smartphones nicht immer wegnehmen, wenn wir ihnen unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit schenken. Ob gemeinsame Minecraft-Bauarbeiten, von der ganzen Familie eingerichtete Spotify-Playlists für die nächste Autofahrt oder ein kleines Geburtstagsgruß-Video zum Verschicken über Whatsapp: Der Austausch, das Miteinander, das Gemeinschaftsgefühl können wir auch im Umgang mit Smartphones erleben. Wir dürfen unsere Kinder nur nicht alleinlassen – mit sich selbst, mit den Geräten, mit unserem Anspruch, sie sollten sich gefälligst im Griff haben mit der Mediennutzung. Smartphones fordern auch von Erwachsenen eine Unabhängigkeitserklärung, die sich im Alltag bewähren muss. Wir sollten sie als Familien aushandeln, abgeben und miteinander einhalten.

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