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Diversität im Theater : In der Falle der Diskriminierung

  • -Aktualisiert am

Queer ist angesagt: wie hier beim Protestmarsch der Black-Lives-Matter-Bewegung in New York. Bild: AP

Eine Studie belegt, dass Männer mit Migrationshintergrund und LGBTI*-Personen am deutschen Theater bevorzugt werden. Brauchen wir jetzt eine Quote gegen die Quote?

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          Kaum haben wir uns von einer weiteren Schmach exklusiv diskriminierender und potentiell sonstige Sensibilitäten angreifender Namenspatrone befreit, droht der nächste Fall von übler Benachteiligung. Kennt man ja schon: Wer weiß ist, männlich, hetero samt cissexuell, leicht adipös und patriarchal erfahren, hat leichtes Spiel in dieser ungerechten Welt, die sich noch immer schwer damit tut, Minderheiten die gleichen Rechte und Chancen zu gewähren.

          Doch diesmal trifft es sie selbst, die alten, weißen Männer, die Konventionellen und Normgemäßen, die nicht abweichen und mit dem Stempel befremdlicher Anomalie leben müssen. Wissenschaftler der Freien Universität Berlin haben herausgefunden, dass Männer mit Migrationshintergrund und Personen mit einer nichtbinären Geschlechteridentität, auch LGBTI* genannt, am Theater bevorzugt werden. Studienleiter Jürgen Gerhards und sein Forschungsteam haben fingierte Bewerbungen um ein Praktikum in der Dramaturgie an sämtliche 462 Theater im deutschsprachigen Raum verschickt, mit jeweils sechs verschiedenen Bewerbungsprofilen. Der Migrationshintergrund sei durch ausländische Namen kenntlich gemacht worden, die sexuelle Orientierung etwa durch eine Erwähnung der Transgender-Identität im Lebenslauf. Als Sieger ging der imaginierte türkischstämmige Bewerber hervor, der mit 40,9 Prozent die meisten Einladungen erhielt. Trans-Bewerber hatten mit drei Prozentpunkten keinen signifikanten Vorsprung gegenüber Heterosexuellen, aber benachteiligt wurden sie nicht.

          Nun ist er also endlich Wirklichkeit, der Traum vom Theater als utopischer Gegenort, als gelebte Gesellschaftskritik schlechthin – wenn da nicht das kleine Manko wäre, dass wieder einmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Denn tun die Diversitätskämpfer hier nicht dasselbe, was sie ihren Feinden vorwerfen, nur unter umgekehrtem Vorzeichen? Wie man’s macht, macht man’s falsch. Wer negative Diskriminierung bekämpft, läuft Gefahr, positiv zu diskriminieren, was wohl kaum als ausgleichende Gerechtigkeit gelten kann, schon gar nicht im Zuge einer flächendeckend postulierten Antidiskriminierungsaktivität. Wer kennt sich da noch aus?

          Die Berlinale offenbar: Sie gibt sich neuerdings betont geschlechtslos und will künftig nur noch einen Unisex-Preis vergeben, der die schauspielerische Leistung nicht mehr nach Geschlecht trennt. Auf einen so originellen Weg einer halbierten Preisabschaffung muss man erst einmal kommen. Und doch bleibt rätselhaft, wie uns das von repressiven Genderzuschreibungen befreien könnte. Man stelle sich vor, in den kommenden drei Jahren ergatterten nur noch Männer den heißbegehrten Bären. Oder gar nur Frauen. Oder weder noch. Es ist bloß eine Frage der Zeit, bevor die Quote gegen die Quote installiert wird. Und dann fängt alles wieder von vorne an.

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