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Mitarbeiter Microsofts klagen : Wer das sieht, wird krank

Microsofts Besucherzentrum in der Zentrale in Redmond Bild: AP

Kindesmissbrauch und Mord: Bei Unternehmen wie Microsoft müssen Menschen Aufnahmen der schrecklichsten Verbrechen suchen, die Menschen einander antun können. Zwei Mitarbeiter konnten nicht mehr.

          1 Min.

          Es war ihr täglicher Job, die grausamsten Videos und Fotos anzuschauen - sterbende Menschen, Morde, Misshandlungen, tausendfach, über Jahre hinweg. Sie konnten helfen, die schlimmsten Verbrechen aufzuklären, weitere zu verhindern, Menschenleben zu retten. Und irgendwann konnten sie nicht mehr: Henry Soto und Greg Blauert, lange Zeit Mitarbeiter im „Online Safety Program“ von Microsoft, leiden, so schildern es ihre Anwälte, unter posttraumatischen Belastungsstörungen, haben Panikattacken, Halluzinationen, Depressionen, und können die Gegenwart von Kindern und Computern kaum ertragen. Jetzt haben sie den Software-Riesen vor einem Gericht im Bundesstaat Washington verklagt. Ihr Fall könnte weitreichende Folgen haben.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Seit 2008 sind amerikanische Service Provider gesetzlich verpflichtet, Aufnahmen von Kindsmisshandlungen und anderen Verbrechen zu melden. Wie andere betroffene Unternehmen auch, gründete Microsoft eine Abteilung, die sich der Aufgabe widmen sollte - allerdings, so werfen die Kläger dem Konzern vor, ohne die Mitarbeiter über die spezielle Belastung der neuen Arbeit zu informieren, sie mit Schulungen darauf vorzubereiten oder mit besonderen Angeboten wie passender psychiatrischer Begleitung vor deren Folgen zu schützen.

          Um auf andere Gedanken zu kommen

          Microsoft nehme, sagte ein Unternehmenssprecher, die Verantwortung ernst, Aufnahmen von Kindesmissbrauch in seinen Diensten zu löschen und zu melden, und auch die Verantwortung für die Gesundheit und psychische Widerstandsfähigkeit der Mitarbeiter, die mit dieser wichtigen Aufgabe betraut seien.

          Schon 2009 hatte Microsoft bei den Mitarbeitern in diesem Bereich vermehrt Anzeichen für Erschöpfung festgestellt und ein „Wellness Program“ angeboten. Einem der beiden Kläger wurde der Anklageschrift zufolge geraten, öfter mal eine Zigarettenpause zu machen oder ein Computerspiel zu spielen, um auf andere Gedanken zu kommen. Später wurde ihm vorgeworfen, zu viel Zeit mit Computerspielen verbracht zu haben.

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