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Politische Willensbildung : Wer hat noch Mut zum Zweifeln?

  • -Aktualisiert am

Thomas Cook macht Bankrott in einer Zeit, in der das Fliegen als unnötige, im Grunde schon unlautere Handlung gilt. Worüber aber wird berichtet? Über die Streichung von Flügen und steckengebliebene Urlauber. Bild: dpa

Politik ist die Vertretung von Interessen. Aber die werden kaum noch ausgesprochen. Statt Streit zuzulassen, erstickt man ihn meistens schon im Keim. Über einen immer enger werdenden Spielraum.

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          Wie kommt es, dass man bei den jüngsten öffentlichen Debatten so schnell einen Überdruss spürt? Es könnte damit zusammenhängen, dass bei ihnen selten etwas herauskommt, jedenfalls nichts, was man als „politische Willensbildung“ oder „gesellschaftliche Selbstverständigung“ bezeichnen könnte; diese Begriffe sind von gestern, als es noch üblich war, unterschiedliche Standpunkte durch einen temperamentvollen Streit einer Klärung zuzuführen und diesen nicht sofort durch Ächtung oder Beleidigtsein abzuwürgen.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Dies verhindert inzwischen ein heilloser Überschuss – an Moral: Die Leute werden damit gefüttert, bis sie platzen, und haben doch das Gefühl, nichts mehr zum Beißen zu haben, was das Denken anregen und am Laufen halten könnte. Die daraus resultierende intellektuelle Ödnis ist mit Händen zu greifen und sehr schlimm. Wer traut sich, seine ehrliche Meinung zu sagen, wenn sie der Leitlinie des Wahren, Schönen, Guten auch nur im mindesten zuwiderläuft?

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