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Harvard-Professorin Danielle Allen Bild: Jürgen Bauer

Politische Gleichheit : Der Sozialstaat als Trostpflaster

  • -Aktualisiert am

Links wird jetzt nicht Marx, sondern Aristoteles zitiert: Danielle Allen plädiert für eine grundlegende Gesellschaftsreform in den Vereinigten Staaten.

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          Die vor einem halben Jahrhundert erschienene „Theorie der Gerechtigkeit“ des amerikanischen Philosophen John Rawls gilt als die anspruchsvollste normative Begründung des Sozialliberalismus. Gerecht sind Gesellschaften nicht allein, so Rawls, wenn ihren Mitgliedern universelle, nur durch die gleichen Rechte anderer beschränkte Freiheitsrechte garantiert sind. Auch soziale und ökonomische Ungleichheiten dürfen nur in dem Maße hingenommen werden, wie sie gerade auch den Schwächsten der Gesellschaft zugutekommen. Dieses einflussreiche „Differenzprinzip“ ist das Godesberger Programm der politischen Philosophie: Kapitalistische Arbeitsteilung mit ihren Ungleichheitseffekten ist legitim, solange die Produktivitätsgewinne eine egalitäre Sozialpolitik finanzieren, die ohne sie gar nicht möglich wäre.

          Dass hinter Rawls’ Gerechtigkeitsideal letztlich eine Apologie des amerikanischen Industriekapitalismus nach dem New Deal stand, ist kein ganz neuer Verdacht. Niemand hat ihn allerdings bisher in solcher Vehemenz vorgebracht wie die in Harvard lehrende Philosophin Danielle Allen, frisch gekürte Trägerin des stattlich dotierten Kluge-Preises der Library of Congress, in ihren jetzt zuerst auf Deutsch erschienenen Frankfurter Adorno-Vorlesungen aus dem Jahr 2017 (Danielle Allen: „Politische Gleichheit“, Suhrkamp Verlag). Rawls ist demnach der Steigbügelhalter aller autoritären Mächte der Gegenwart, der „Schützenhilfe zu einem neoliberalen Teufelspakt“ geleistet hat, indem er den Schwächeren einredete, sich im Tausch gegen den Sozialstaat mit ihrer Situation zufriedenzugeben.

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