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Plädoyer für eine Algorithmen-Ethik : Relevanz ist alles

  • -Aktualisiert am

Das neue Topmodell von Samsung bemerkt sogar, ob der Nutzer seine Augen auf das Display richtet, und schaltet sich dann nicht in den Ruhezustand. All diese Daten werden manchmal illegal, aber immer häufiger auch mit völligem Einverständnis des Nutzers an Datenbanken und Analysesysteme übermittelt, mit denen die Geräte per Internet ständig verbunden sind. Nutzer versprechen sich Verbesserungen und spannende Zusatzfunktionen, die sie zweifellos auch bekommen.

Und bei all dem darf man nicht vergessen, dass es aus dieser Branche zukünftig und abgesehen von der personalisierten Tageszeitung beispiellose Innovationen in anderen Bereichen geben wird. Algorithmen und die immer weiter entwickelten Verfahren zur Verarbeitung und Analyse extrem großer Datenmengen werden maßgeblich dazu beitragen, dass wir vermutlich bald den Menschheitstraum einer Simultanübersetzung in eine beliebige Zielsprache in Echtzeit sehen werden.

Was für Schwerpunkte setzt der Algorithmus?

Ein Prototyp dafür läuft bereits in den Google-Labors, ebenso wie autonom fahrende Autos, die sich unter Zuhilfenahme von Technologien aus der Werbebranche durch die Straßen von San Francisco bewegen. Und wenn in Zukunft komplexere Netzwerkmodelle erforderlich sein werden, um die Energiewende zu stemmen, können wir fast sicher sein, dass ebenfalls Verfahren aus dem Internet zum Einsatz kommen werden.

Aber noch einmal zurück zum Beispiel der Pressefusionskontrolle. Wenn die Wettbewerbshüter heute darüber bestimmen können, ob zwei Medienunternehmen fusionieren dürfen: Können sie in Zukunft auch darüber bestimmen, wenn die beiden Unternehmen den gleichen Algorithmus zur Auslieferung ihrer Nachrichten im Internet nutzen? Wird überhaupt irgendjemand außer ein paar Technikern wissen, was dieser Algorithmus macht und welche Schwerpunkte er setzt? Oder wird die Auswahl der Artikel aus der Controlling-Abteilung gesteuert, wo die automatisierte Margenoptimierung aktiviert werden kann?

Wem würde es auffallen, wenn bestimmte Tageszeitungen im Berliner Regierungsviertel auf den iPads der Abgeordneten andere Artikel anzeigen als im Rest des Landes? Wenn es ohne Probleme gelang, die Zeitungsredaktionen von der Nichtexistenz von Pop-up-Werbung auf ihren Websites zu überzeugen - welche Möglichkeiten haben wir dann, wenn auch der komplette Inhalt dieser Websites über unsere Algorithmen ausgeliefert wird? Und wer hat den Algorithmen überhaupt die Tür geöffnet?

Das Prinzip der Relevanz erklärt alles

Wenn heute ein wenige Jahre junges Unternehmen mehr persönlich registrierte Kunden hat als je ein anderes Unternehmen zuvor und an der Börse höher bewertet wird als General Motors und Volkswagen zusammen, obwohl der Umgang dieses Unternehmens mit den Daten seiner Kunden höchst zweifelhaft erscheint, dann sollten wir uns langsam mit der Tatsache anfreunden, dass diese Art der datengetriebenen, hochpersonalisierten Portale für Information und Kommunikation nicht mehr verschwinden wird. Warum auch?

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