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Plädoyer für eine Algorithmen-Ethik : Relevanz ist alles

  • -Aktualisiert am

Gesteuerte Angebote

Wieder ein anderer Algorithmus kümmert sich schließlich um die journalistische Recherche und schließt so den Kreis zwischen Produzent und Rezipient. Schon heute werden Artikel zur Sportberichterstattung oder zu Entwicklungen des Finanzmarktes von Algorithmen verfasst und publiziert, und zwar vollautomatisch. An Verfahren, sprachliche Variabilität zu erzeugen, wird längst fieberhaft gearbeitet. Während derzeit noch jeder neue

iPhone-Besitzer über die lustigen Antworten von Siri schmunzelt, schwingt bei vielen bereits ein Unbehagen darüber mit, wie überraschend gut Siri bereits ist. Sie lernt dazu, analysiert unsere Sprechweise, erkennt Tonalität und erstellt Analysen über unsere Lieblingsthemen auf großen amerikanischen Server-Farmen.

Wenn sich also in zehn Jahren ein Mensch über das aktuelle Geschehen informiert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass mehrere Algorithmen dabei involviert sein werden. Sie werden steuern, was ihm angeboten wird, in welcher Reihenfolge das geschieht und mit welcher Schwerpunktsetzung, vielleicht sogar, mit welcher Hintergrundfarbe. Vor allem werden Algorithmen beobachten, was der Leser sich anschaut und wo er hängenbleibt oder weiterführende Links ansieht.

In alle Lebensbereiche vorgedrungen

All dies wird aufgezeichnet und ausgewertet, um später noch genauere Empfehlungen aussprechen und Interessen noch genauer verstehen zu können. Aber damit nicht genug. Schon heute sind Algorithmen im Einsatz, die versuchen, aus diesen gewonnenen Daten Vorhersagemodelle und Verhaltensprognosen zu generieren. Dabei lernen sie mit jedem Klick. Mit solchen Verfahren ist es möglich, bestimmte Eigenschaften eines Lesers zu errechnen.

Aus all den so gewonnenen Daten und durch Vergleiche mit anderen Nutzern können leistungsfähige statistische Algorithmen sogar Dinge ableiten, die wirklich in der Zukunft liegen, also zum Beispiel, ob ein im Internet bestellter Schuh wieder zurückgesendet werden wird oder nicht, ob ein Konzert, das am nächsten Wochenende stattfindet, gefallen wird oder nicht. Allein aus dem Kaufverhalten von Konsumenten lassen sich verlässliche Indikatoren ableiten, um werdende Mütter an der Supermarktkasse zu erkennen und ihnen dann spezielle Angebote zu machen.

Alles spricht dafür, dass derartige Verfahren in alle Lebensbereiche vordringen werden. So, wie schon heute keiner mehr die gleiche Website sieht wie der Nebenmann, wird dann vielleicht keiner mehr den exakt gleichen Versicherungstarif oder die gleiche Aufmerksamkeit beim Einchecken in ein Hotel erhalten.

Simultanübersetzung in Echtzeit

Wem das bereits auf den Magen schlägt, der sollte bedenken, dass wir inzwischen mehr Sensoren mit uns herumtragen, als den Geheimdiensten noch vor wenigen Jahren in Laboren zur Verfügung standen. Unsere Handys erkennen, wie schnell wir uns bewegen und in welcher Lage wir sie halten. Sie kommunizieren mit mehreren Satelliten gleichzeitig, um unseren Standort metergenau zu ermitteln. Sie erkennen, ob wir eine Person fotografieren oder ein Gebäude.

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