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Die Sozialphilosophin Rahel Jaeggi Bild: Andreas Pein

Sozialphilosophin über Corona : „Es sind nicht alle gleichermaßen betroffen“

Ein Gespräch mit der Sozialphilosophin Rahel Jaeggi über Gerechtigkeit und Solidarität in Zeiten der Pandemie. Und über die Bedingungen, die sie verhindern.

          8 Min.

          In letzter Zeit tauchen vor allem im Zusammenhang mit den Corona-Impfungen öfter Großbegriffe wie Gerechtigkeit oder Ethik auf. Passen die überhaupt, sind sie nicht ein zu großes Kaliber angesichts der komplizierten konkreten Probleme, die zu bewältigen sind?

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das ist immer die Frage bei diesen großen Begriffen – der andere, der derzeit im Spiel ist, ist ja der Begriff der Solidarität. Klar schlagen wir uns zurzeit mit vielen Problemen herum, die im Grunde eine Nummer kleiner sind, Anwendungsfragen, bei denen Passgenauigkeit in Bezug auf sehr spezifische Situationen verlangt ist. Auf der anderen Seite gibt es aber ja auch bestimmte Vorstellungen über unser Zusammenleben, Normen, die das leiten, was da im Einzelnen entschieden wird, und von denen auch die Zustimmung zu diesen Maßnahmen abhängt. Nehmen Sie die Frage der Impfgerechtigkeit: Im Grunde entspricht die Art der Priorisierung, wie sie gerade vorgenommen wird, doch einigermaßen dem Vorgehen, das in Deutschland während der Pandemie insgesamt leitend war: Man will die Schwächsten und diejenigen schützen, die der Pandemie am stärksten ausgesetzt sind. Noch die Fragen, die uns dann im Detail beschäftigen, ob es drei oder siebzehn Impfgruppen sein sollen, ob man innerhalb einer bestimmten Alterskohorte noch mal priorisieren soll, sind von solchen Vorstellungen, und das sind dann eben auch Vorstellungen von Gerechtigkeit und Solidarität, geleitet. Man merkt ja, wenn es Streit darüber gibt, dass man sich auf diese Prinzipien bezieht.

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