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Museumschef Philipp Demandt : „Erst hängen wir Bilder ab, dann die Freiheit an den Nagel“

Goethe lässt grüßen: Philipp Demandt ist Direktor des Städel Museums, der Liebieghaus Skulpturensammlung und der Kunsthalle Schirn in Frankfurt. Bild: dpa

MeToo und die Kunst: Wie geht man mit Werken von als gewalttätig beschuldigten Künstlern um? Philipp Demandt, Chef der Frankfurter Museen, hat eine Antwort.

          3 Min.

          Herr Demandt, haben Sie in Ihrer Tätigkeit als Leiter eines Museums, früher in der Alten Nationalgalerie in Berlin oder heute im Städel, im Liebieghaus oder in der Schirn, schon einmal ein Kunstwerk aus ethischen oder moralischen Gesichtspunkten abgehängt?

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Nein, im Gegenteil, vielmehr aufgehängt. In Berlin betraf dies das Gemälde „Mutterliebe“ von Lovis Corinth, eine Darstellung seiner Frau Charlotte und ihres gemeinsamen Sohnes. Das Bild, das Charlotte Berend-Corinth besonders liebte, befand sich im Depot und war schon einmal von einem Leihgeber angefragt worden, der es dann aber wieder abgesagt hatte – offenbar wegen der verstörenden Nacktheit des Jungen. Als im Zuge der Edathy-Affäre die Forderung laut wurde, keine Bilder von nackten Kindern mehr im Museum zu zeigen – die Diskussion drehte sich insbesondere um Caravaggios berühmten „Amor“ in der Berliner Gemäldegalerie –, habe ich den Corinth noch am selben Tag in die Schausammlung gehängt. Jetzt erst recht. Mit Pädophilie hat dieser Blick eines Vaters auf Mutter und Sohn rein gar nichts zu tun. Es ist ein brillantes, einstmals sehr berühmtes Bild. Alles andere sagt mehr über den Betrachter als über das Betrachtete.

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