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Politische Jugend : Jetzt schlägt die Stunde des politischen Nachwuchses

Feuerzangenbowle gegen freies Rollenspiel: der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor (links) und der politisch engagierte Schauspieler Sebastian Schwarz Bild: Getty, Hans Christian Plambeck/Laif

In einer alternden Gesellschaft steht die politische Jugend vor besonderen Schwierigkeiten. Zwei Begegnungen mit jungen Politikern: Einer ist rechts, der andere links.

          8 Min.

          Frankfurt im Nieselregen. Draußen am Laternenpfahl ist das CDU-Wahlplakat für den Landesvater Volker Bouffier auf Schienbeinniveau herabgerutscht. Ein paar Mal haben Passanten schon dagegen getreten, aber er lächelt immer noch so unbestimmt wissend wie eh und je. Drinnen sitzt Philipp Amthor, mit sechsundzwanzig Jahren der jüngste Bundestagsabgeordnete der CDU. Seinen Wahlkreis hat er in Mecklenburg-Vorpommern, nahe der amtierenden Kanzlerin. Bei Parlamentsdebatten fällt er durch rhetorisches Geschick und eine konservative Kante auf. Als Law-and- Order-Mann zerlegt er sowohl fachlich mangelhafte AfD-Anträge wie links-grüne Wunschvorstellungen zur Flüchtlingspolitik. Er kommt vom Land, aus dem Osten. Aufgewachsen ist er bei der alleinerziehenden Mutter, die nach der Wende ihren Job bei Carl Zeiss verlor. „Einfache Verhältnisse“, steht auf seiner Wikipedia-Seite.

          Simon Strauß

          Redakteur im Feuilleton.

          Das bringt man nicht leicht zusammen mit dem schlaksigen jungen Mann, der einem jetzt gegenübersitzt und von seiner Mitgliedschaft in der deutsch-britischen Parlamentariergruppe schwärmt. Am Revers eine kleine Deutschland-Fahne, den Arm wie ein dozierender Professor in die Seite gestützt, und wenn man ihn fragt, ob er ein Stück Kuchen möchte, macht er jene abwehrende Bewegung vor dem Bauch, die man sonst nur von älteren Herren um die siebzig kennt, die auf ihren Blutzuckerspiegel achten müssen. Jugend ist kein Kriterium für ihn, „Sachlichkeit, darum geht es“. Natürlich verheimliche er sein geringes Alter nicht, aber als gewählter Volksvertreter habe er die Aufgabe, alle und gerade auch die älteren Angehörigen seines Wahlkreises zu repräsentieren. Staat, das denkt man intuitiv, ist mit ihm gut zu machen, Revolution eher nicht.

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