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Biblisches Buch Hiob : Von Gott reden in der Krise

  • -Aktualisiert am

Eberhard Wächters „Hiob und seine Freunde“ aus der Staatsgalerie Stuttgart Bild: dpa

Wieso ist uns modernen Menschen die biblische Figur des Hiob so nah? Ihre Geschichte zeigt uns, dass sich aus Sicht des christlichen Glaubens kein Leid begründen oder rechtfertigen lässt. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Die Klage des Hiob hallt seit Jahrhunderten durch den Erinnerungsraum des Abendlandes. Er repräsentiert den Menschen in existentieller Quarantäne, der sich von Gott verlassen sieht, weil er keine Erklärung für sein Leid findet – wenn Gott doch allmächtig ist und die Welt gut gemacht hat. Hiob lässt sich nicht einreden, dass sein Leid schon einen Grund haben wird oder im Nachhinein noch Sinn macht. Mehr noch: Hiob leistet Widerstand gegen seine beredten Freunde, die ihn trösten wollen, indem sie sein Leid, etwa als Strafe Gottes, plausibel machen. Seine Freunde stehen ihm bei, schaffen es aber nicht zur Sprache zu bringen, wie Gott die Welt regiert und die Aufrechten behütet. Hiob besteht darauf, dass Gott es ist, der sich rechtfertigen muss.

          Deshalb ist Hiob uns modernen Menschen so nah wie wohl keine andere biblische Figur. Er besteht darauf, dass er sich die Welt und was darin geschieht erklären kann. Das scheint – in der Tradition biblischer Weisheit – der modernen Weltsicht zu ähneln, die alles aus den immanenten Zusammenhängen der Natur und der Geschichte erklären will.

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