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Richtfest am Museum : Pergamon, später

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Draußen, vor der Tür: Richtfest zur Fertigstellung des Rohbaus für den zentral gelegenen Eingang des Pergamonmuseums Bild: dpa

Die Baukosten haben sich fast verdoppelt, der Zeitplan wurde groß und größer. Jetzt wurde am Pergamonmuseum Richtfest gefeiert – für den Eingangspavillon. Man hätte die Sanierung auch anders angehen können.

          Ein Richtfest im fertig sanierten Pergamonmuseum? Nein, es ist nur der „Tempietto“, der Eingangspavillon an der Ostseite des Innenhofs, dessen Skelett aus Stahlbetonstäben jetzt aufrecht steht und am Freitag mit Richtkranz, Festreden und Drei-Gänge-Buffet gefeiert wurde. Der „Bauabschnitt A“, die erste und längste Etappe der zweiteiligen Grundsanierung des größten Bauwerks der Berliner Museumsinsel, ist dagegen noch lange nicht abgeschlossen, auch wenn die Präsidentin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, das die Bauaufsicht führt, ihre Behörde für die Einhaltung des Zeitplans lobt.

          Seit der Kölner Architekt Oswald Mathias Ungers im Jahr 2000 den Wettbewerb für das Projekt gewann, haben sich die Kosten von 240 auf 477 Millionen Euro fast verdoppelt, der Zeitplan selbst hat wegen mannigfacher Risiken – zu denen die Überlastung der Baufirmen durch den Immobilienboom gehört – ein Polster von neunzehn Monaten bekommen, so dass mit einer Wiedereröffnung des Nord- und des Ostflügels wohl erst im Frühjahr 2025 zu rechnen ist. Bis dahin werden die Skulpturen des Pergamonaltars hinter Gerüsten, Abdeckungen und Messsonden verborgen bleiben; anschließend, wenn Bauabschnitt B beginnt, kommen dann das Ishtar-Tor, das Markttor von Milet und die vorderasiatischen Sammlungen an die Reihe, werden zugedeckt, eingerüstet oder für gut zehn Jahre ausgelagert.

          Das alles, versteht sich, findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und mit höchstem technischem Standard statt. Aber während an diesem Wochenende die Besucher zur Besichtigung in die geöffnete Baustelle strömen, mag man sich einen Moment lang fragen, was passiert wäre, wenn die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Bauherr das Pergamonmuseum so behandelt hätte, wie die Potsdamer Schlösserstiftung ihre preußischen Schlösser behandelt: als Gesamtkunstwerk, das bewahrt werden muss.

          Dann hätte das Islamische Museum kein neues, großes Domizil im Nordflügel bekommen (aber womöglich ein noch größeres im Humboldt-Forum). Historische Räume hätten nicht aufwendig umgebaut werden, der neue Mschatta-Saal und der Hellenistische Saal keine teuren Kunstlichtdecken erhalten müssen. Der Pergamonaltar wäre für Jahre, nicht für ein Jahrzehnt unsichtbar gewesen. Und Ungers, der 2007 starb, und sein Nachfolger Jan Kleihues hätten trotzdem ihren Tempietto und den neuen glaskastenhaften Westflügel bekommen. Geld wäre gespart und Zeit gewonnen worden. Aber wir bauen, wie es scheint, ja nicht für die Gegenwart. Wir sanieren für die Ewigkeit. Bis in alle Ewigkeit.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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