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Krim-Krise : Meer, Männer und Krieg

Die Ukraine im August: Frieden ist es nicht, was hier herrscht. Bild: dpa

Wer hat geschossen und warum? Wer kämpft hier und wofür? Ein Patrouillengang an der Grenze der Ukraine zur Krim.

          Der Bär und der Jäger und der Schamane hätten sich niemals getroffen, hätten niemals gesprochen, wäre der Majdan nicht gewesen. Der Bär ist Kommandant, der Jäger Soldat, der Schamane ein Freiwilliger. Drei Männer einer Eliteeinheit. Drei Männer mit Spitznamen, weil Männer in der Armee, der ukrainischen, alle Spitznamen tragen. Drei Männer am Meer, am Asowschen Meer.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Doch urlaubsmäßig sieht er nicht aus, dieser Ort in der Nähe vom Meer, in der Nähe der Krim, wo genau, ist ein Geheimnis, weil Krieg ist. Es gibt viele Geheimnisse hier. Selbst wie die Männer am Meer einander ansprechen – mit einem Sie –, klingt wie ein Rätsel, denn es ist seltsam für die Ohren, wenn ein Jäger einen Bären so siezt.

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          „In Gefechtsbereitschaft sind wir immer.“

          Das Haus dieser Männer, die Basis, sieht aus wie das Gebiss eines Alten. Die fehlenden Fenster sind die fehlenden Zähne. Billige Provisorien verdecken die Lücken, es sind grüne Metallplatten und schwarzgraue Planen aus Plastik. Im Mund dieses Alten, im Hauptquartier, sitzt der Schamane, neben ihm stehen der Bär und der Jäger und andere. In diesem Raum hängt ein großes Schwarzgrau – vielleicht drei Meter hoch, vielleicht drei Meter breit –, wieder so eine Plane, wieder so ein Geheimnis. Das Plastik versteckt die ukrainische Karte, versteckt die Standorte der anderen Stützpunkte. Die Brigade bewacht die Grenze zur Krim. Seit drei Tagen in erhöhter Gefechtsbereitschaft, so sagte es Präsident Poroschenko zumindest. „In Gefechtsbereitschaft sind wir immer“, so sagen es die Männer am Meer.

          Was passiert hier, frage ich Waliko. Ein anderer Soldat, ein anderer Spitzname, auch er steht im Raum.

          Walik bedeutet die Walze

          „Wir sind hier, um unser Land vor russischer Aggression zu beschützen“, sagt er. Auf Russisch – in dieser Brigade wird Russisch gesprochen – bedeutet Walik die Walze. Vielleicht heißt Waliko deshalb auch Waliko. Keine Zeit für die Antwort, Waliko muss zu der Grenze. Es ist was passiert.

          Was? Und ist es auch ein Geheimnis?, sage ich zum Bären.

          „Nein, nichts“, antwortet er. Der Bär ist so groß und so breit wie ein Bär, er herrscht in der Basis, denn er ist Kommandant der Brigade. Zu leise aber für einen Bären spricht er, sagt, ich soll mich umschauen, sie müssen arbeiten.

          Ein Strand am Asowschen Meer: Irgendwo in der Nähe liegt die Basis des Bären.

          Vor dem Haus ist es lautlos und heiß. Eine Hängematte liegt müde zwischen zwei Bäumen. Auf der Erde haben sich Katzen zusammengerollt, viele. Und Hunde, nur zwei. Sie liegen friedlich neben den Katzen, sind vielleicht zu erschöpft, die Katzen zu jagen. Alles vor diesem Haus sieht erschöpft aus. Selbst diese Riesen, die BTR-Panzerwagen, die sich in Reihen regungslos sonnen, scheinen müde und harmlos zu sein. Meine Handy-Kamera zielt auf einen der Riesen: „Die Technik nicht fotografieren!“, ruft plötzlich jemand. Der Jäger.

          Fahren wir bitte zur Grenze?, sage ich.

          Unzufrieden nickt der Mann mit dickem Bizeps und mit scharfen Augen. Im Rücken trägt der Jäger eine Pistole, befestigt mit einer Kette am Gürtel, nur im Auto verlässt die Waffe seinen Körper, liegt im Etui neben seinem Sitz. An der Grenze ist ein anderer Stützpunkt, noch weniger wohnlich als die Basis des Bären: zerfallene Bauernhäuser und Kuhställe. Ein Mann namens Phönix führt mich jetzt hier, sein Gesicht: hollywoodhaft; seine Augen: ein stechendes Grün. Wir gehen zum Grenzzaun, von da sieht man die Brücke, auf ihr tanzen im Wind wild zwei Fahnen. Die linke trägt das Blau-Gelb der Ukraine, die rechte ist russisch, weiß, blau und rot.

          „Wenn Geld da ist, kann man trinken.“

          Was ist dort passiert, in der Nacht zum 8. August, als die Schüsse gefallen sind, über die sich Putin so ärgert, über die zurzeit die ganze Welt spricht, frage ich, die Hand zeigt zur Krim, sie kann sie fast greifen, so nah ist die Halbinsel jetzt.

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