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Entmündigung von Patienten : Wer hilft mir in meinem Wahn?

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Szene aus dem Film „Black Swan“, in dem eine Tänzerin unter Schizophrenie leidet Bild: Allstar/Fox Searchlight Pictures

Eine Zwangsbehandlung ist entwürdigend, schmerzhaft, traumatisch – und notwendig. Daher sollte sie mit Einfühlung und Respekt geschehen. Ein Schizophrenie-Patient berichtet von seiner Odyssee durch die Kliniken.

          Die Krankheit entwickelte sich schleichend seit Anfang der neunziger Jahre. Die Gesichter auf der Straße belebten sich, die Menschen schienen über mich Bescheid zu wissen. Dann waren Mikrofone in meinem Psychotherapiezimmer. Am Ende waren sie auch in meiner Wohnung. Dann endlich, eines Nachts, kam der psychische Zusammenbruch. Das war 1994.

          Die Behandlung in der örtlichen Klinik, in die mich ein Notarzt und die Polizei brachten, war brutal, eine Vergewaltigung. Kein Arzt klärte mich über meine Erkrankung und die Behandlung auf, kein einfühlendes Gespräch fand statt. Der behandelnde Chefarzt stürmte nach ein paar Tagen in mein Zimmer und drohte mit einem Gerichtsverfahren und meiner Entmündigung. Ein Mann vom Vormundschaftsgericht kam einige Tage später in die Klinik. Sein Argument: Vor Gericht hätte ich ohnehin kaum eine reale Chance, mir drohe eine längerfristige Entmündigung. Sollte ich „freiwillig“ den Behandlungsvertrag unterzeichnen, wäre der Schaden für mich geringer. So unterschrieb ich und verpflichtete mich auf mindestens sieben Wochen medikamentöser Behandlung in dieser Klinik.

          Die Nebenwirkungen der Neuroleptika waren gewaltig: Gewichtszunahme, Augenakkomodationsstörungen, Sitzunruhe, Müdigkeit. Ich wurde zum haltlosen Raucher und konnte mir erst zehn Jahre später den Tabak wieder mühsam abgewöhnen. Ich bin ein mittelgroßer Mann und wog vor der Behandlung mit den Neuroleptika circa achtzig Kilo. Zwischenzeitlich habe ich mehr als 120 Kilo gewogen. Die Diagnose „paranoide Schizophrenie“ wurde mir nach der Behandlung in der Klinik per Post zugesandt, ohne weitere Erläuterung. Ich war damals 29 Jahre alt. Die Zwangsbehandlung war entwürdigend, körperlich und emotional schmerzhaft und unsinnig, ein schweres Trauma bis heute.

          Ein sehr teurer Kur-Urlaub

          Dennoch muss ich im Nachhinein sagen: Diese Behandlung war notwendig. Wie sie durchgeführt wurde, von mitleid- und wortlosen Psychiatern, autoritär und von oben herab, das war grausam. Doch dass sie notwendig war, daran besteht für mich kein Zweifel mehr. Denn die Diagnose „paranoide Schizophrenie“ war korrekt. Ungefähr ein Prozent der Bevölkerung weltweit erkrankt an Schizophrenie. Der häufigste Typus ist die paranoide Schizophrenie (ICD-10-GM: F 20.0), die mit Wahnvorstellungen, Störungen der Ich-Umwelt-Grenze und oft auch akustischen Halluzinationen (zum Beispiel befehlenden oder kommentierenden Stimmen) einhergeht. Mit dieser Krankheit kann ein Mensch nicht leben, das Leben wird zur Hölle und man selbst für seine Angehörigen und Freunde zu einer unerträglichen Belastung. So gravierend die Nebenwirkungen der Medikamente damals waren, so gravierend die Nebenwirkungen auch der moderneren „atypischen Neuroleptika“ immer noch sind (vor allem die Gewichtszunahme), so sind doch diese Medikamente im Vergleich zur Wahnwitzigkeit der Paranoia selbst ein Segen. Allerdings sind die Nebenwirkungen der Neuroleptika oft so schwer zu ertragen, dass viele Patienten die Dosis zu minimieren oder diese Medikamente gar ganz abzusetzen versuchen. Das ist nicht ohne Risiko, denn oft kommen Symptome wieder.

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