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Interview mit Lenin : Putins Patentochter, die Revolutionärin

  • -Aktualisiert am

Xenia Sobtschak bei einer Pressekonferenz 2017. Bild: Picture-Alliance

Wer in Moskau demonstriert, kann nur vom Ausland gekauft sein: Putins Patentochter führt ein bizarres Interview mit Lenin.

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          In Russland liegt die Zahl der Menschen, die sich politische Veränderungen wünschen, bei beinahe sechzig Prozent, und die Moskauer Prozesse gegen friedliche Demonstranten für ehrliche Wahlen, von denen elf vor Gericht stehen und sieben zu Haftstrafen verurteilt wurden, verstärken insbesondere bei der Jugend und der Großstadtintelligenzia Aversionen gegen das Regime. Das war Anlass genug, am 7. November, dem 25. Oktober nach dem alten Kalender, der von Kommunisten noch immer als Tag des Oktoberumsturzes gefeiert wird, im russischen Staatsfernsehen einen Wiedergänger von Wladimir Lenin auftreten zu lassen, um vor den schlimmen Folgen revolutionärer Umbrüche zu warnen.

          Das Format war zeitgemäß ironisch und glamourös. Die Fernsehmoderatorin Xenia Sobtschak, die als Patentochter von Wladimir Putin gilt und im letzten Präsidentschaftswahlkampf symbolisch gegen ihn antrat, traf sich mit dem als Lenin hergerichteten Filmschauspieler Jewgeni Stytschkin im Studio von TV-3 zum Interview. Xenia Sobtschak, die eine Weile mit der Opposition liebäugelte, Affären mit Oppositionspolitikern inbegriffen, hat erst unlängst in den Schoß der Systemloyalen und damit auch zum Staatsfernsehen zurückgefunden.

          Ideale Gastgeberin für dunkle Mächte

          Just da im Herbst die Moskauer gegen Wahlfälschung auf die Straße gingen, beging Sobtschak ihre Hochzeit mit dem Theaterregisseur Konstantin Bogomolow als opulentes Ritual, zu der die Brautleute auf einem Katafalk angefahren kamen, und das die Neuvermählte mit einem Tanz krönte, bei dem sie sich von einer Nonne in eine Stripperin verwandelte. Das Fest, das neben Promis aus dem Showbusiness auch Putins Pressesprecher Dmitri Peskow begeisterte, empfahl Sobtschak als ideale Gastgeberin für dunkle Mächte, wie sie Michail Bulgakow in seinem Roman „Der Meister und Margarita“ besang.

          Bei ihrem Tête-à-tête mit Lenin, der im konservativen Dreiteiler auftrat, sie höflich mit Vor- und Vatersnamen ansprach und Textpassagen aus seinen gesammelten Werken vortrug, erklärte sie sich als entschiedene Revolutionsgegnerin. Nach Exkursen über sein geruhsames Leben in Europa wollte sie wissen, warum er Russland, wo er das Sklaventum und den versklavenden Staat ausrotten wollte, mit Terrorwellen überzogen habe, worauf ihr Gegenüber erwiderte, er sei dazu gezwungen worden. Und warum habe er sich bei seinem Umsturzwerk vom Ausland finanzieren lassen, fragte Sobtschak, die den „Spiegel“ mit einer Berechnung zitierte, wonach der deutsche Staat im Ersten Weltkrieg an die Bolschewiken umgerechnet 75 Millionen Euro gezahlt habe. Der Lenin-Darsteller weist das als Lüge zurück, so dass Sobtschak, alle Fakten verdrehend, lächelnd suggerieren konnte: Wer in Russland heute einen Regimewechsel erhofft, befürwortet Gewalt und ist vom Ausland gekauft.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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