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Parodie und Expertise : So intelligent kann Antifaschismus sein

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Die tatsächliche Gefahr dieses „postmodernen“ Rechtsextremismus sei eine andere: unter Verweis auf die Verschiedenheit der Völker werde etwa die universale Geltung der Menschenrechte bestritten. Mit diesem Weltbild der „Neuen Rechten“, das auf den französischen Publizisten Alain de Benoist und den mittlerweile links angekommenen ehemaligen NPD-Vordenker Henning Eichberg zurückgeht, hat sich Brodkorb in zahlreichen Veröffentlichungen kenntnisreich auseinandergesetzt. Aus seiner Arbeit im Landtag weiß Brodkorb, dass viele Anträge der NPD darauf hinauslaufen, durchaus legitime Interessen rechtsradikal zu besetzen, etwa die Erinnerung an die Opfer des Bombenkrieges. Brodkorb lobt die Linie seines Fraktionsvorsitzenden, des Historikers Norbert Nieszery, der die NPD mit historischen Argumenten ad absurdum führe.

„Wissenschaftlichkeit“ ist eines der Lieblingswörter von Brodkorb. In seiner kühl-analysierenden Art wirkt er mehr wie ein Referent des Verfassungsschutzes, der seinen Gegner gut kennt, als wie ein Politiker, der auf Feuerwehrfesten seine Anhänger mobilisiert. Die Beobachtung des rechten Lagers ist ihm nicht zum Selbstzweck geworden. Angesprochen auf die politische Zukunft der NPD, äußert er sich verhalten optimistisch. In Mecklenburg-Vorpommern habe ein demographischer Wandel eingesetzt; es gebe wieder ein Überangebot an Ausbildungsplätzen.

Den sollte man sich warm halten

Über die Gefährlichkeit der Rechtsradikalen braucht man Brodkorb nicht zu belehren; in rechten Internetforen wurde zur Jagd auf ihn geblasen, weil er mit der Onlinesatire „Storch Heinar“ (www.storchheinar.de) das bei Rechtsradikalen beliebte Modelabel „Thor Steinar“ ins Lächerliche zieht. Vor dem Landgericht Nürnberg hat die Modemarke gegen ihn geklagt; an diesem Mittwoch ist die Klage im Grundsatz abgewiesen worden.

Brodkorb wirft der eigenen Partei vor, sich zum „nützlichen Idioten des bürgerlichen Lagers“ zu machen, indem sie alles , was rechts von Frau Merkel sei, ausgrenze. Das Beschwören des „bürgerlichen Lagers“ ist freilich linke Folklore, Brodkorb entspricht selbst dem Typus eines bürgerlichen Politikers, hat zu politischen Extremisten dieselbe Distanz wie Mutter Kempowski zu den SA-Männern, nur dass er sie nicht mit „Ascheimerleuten“ verwechselt. Ein bürgerliches Leben ohne Politik kann sich Brodkorb ohne weiteres vorstellen. Er möchte gerne promovieren, vielleicht in Philosophie, jetzt böte sich auch Extremismusforschung an. Die von Brodkorb verfassten Broschüren zum „Faschismus“ gehören zu dem Niveauvollsten, was derzeit erhältlich ist. Zunächst möchte er weiter Haushalts- und Bildungspolitik machen und sucht einen Wahlkreis. Man kann ihn sich aber auch als Studienrat vorstellen, der seine Schüler für die griechische Philosophie begeistert. Zuzutrauen wäre es ihm, auch wenn dies wohl nicht ganz dem Bildungskanon seiner Partei entspricht. Bei der Familie Kempowski, wo man es mit den Rostocker Schulen nicht immer einfach hatte, hätte man über solche Lehrer geurteilt: „Den halte dir mal warm!“ Vielleicht sieht es die Rostocker SPD ja auch so.

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