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Realität und Fiktion : Berlin Prepper

Credo der Prepper-Szene: Man will vorbereitet sein, „wenn es zum Knall kommt“. Bild: Keystone

Festnahmen in der Prepper-Szene in Mecklenburg-Vorpommern und ein Roman, der seiner Zeit genau solche Szenarien voraussagt. Erschreckend, wie parallel beides einhergeht. Eine Glosse.

          Vor wenigen Tagen meldete der Politikteil: „In Mecklenburg-Vorpommern sind drei ehemalige und ein aktiver Beamter des Spezialeinsatzkommandos (SEK) mit Verbindungen zur ,Prepper‘-Szene festgenommen worden, weil sie über Jahre Munition aus Beständen des Landeskriminalamts entwendet haben sollen. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, drei Beamten werde vorgeworfen, sich vom April 2012 an illegal Munition aus den Beständen des Landeskriminalamts besorgt und diese dann dem vierten Beschuldigten überlassen zu haben. Dieser wiederum soll in Kontakt stehen zu der sogenannten ,Prepper‘-Szene.

          In dieser wird sich auf den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung durch eine Krise oder einen Umsturz vorbereitet. Mitte Mai, vier Wochen vor diesem Bericht, ist bei Suhrkamp ein Roman erschienen mit dem Titel „Berlin Prepper“, der Anfang Juni von Peter Körte in dieser Zeitung als „Großstadtroman auf der Höhe der Zeit“ gelobt wird, „mit einem Anti-Helden, der typisch ist in seiner Unauffälligkeit und seiner Apokalypseanfälligkeit, der sich längst abgekehrt hat von der Vorstellung, in Politik, Gesellschaft oder einem sozialen Umfeld etwas zu bewegen oder einen Sinn zu finden. Hauptsache, es sind genug Raviolidosen und ein Esbitkocher für den Ernstfall da.“

          In dem Roman, der aus dem Stand den ersten Platz der Krimibestenliste eroberte, schildert der 1963 geborene Autor Johannes Groschupf das langsame Abdriften eines mittelalten Mannes namens Noack, der vorbereitet sein will, „wenn es zum Knall kommt“. In einer Welt von „Schlafschafen“ arbeitet er als Content Moderator in einem großen Berliner Zeitungskonzern, das heißt, er ist damit beschäftigt, Internetkommentare zu verwalten.

          Wie nah Groschupf am Puls der Zeit ist, zeigt eine Stichprobe auf Seite 175: „Die Jungs da oben in Mecklenburg, die sind schon weiter. Die sind untereinander vernetzt bis in Polizei, Bundeswehr, Verfassungsschutz hinein, da sitzen ja auch noch vernünftige Leute. Dadurch haben sie Zugriff auf Daten und auf Waffen, von denen unsereins nur träumen kann. Die haben Einsatzpläne bis ins Detail ausgearbeitet, da geht dir einer ab. Die haben sich schon die Schuppen ausgeguckt, wo sie die linken Bazillen, die Volksverräter unterbringen können, wenn dieses verbrecherische Regime gestürzt ist. Die Laster stehen bereit, mit denen man die Zecken aufsammeln, wegkarren und entsorgen kann. Bei der Truppe sind die Listen mit den betreffenden Personen und Adressen schon in Umlauf. Wenn die Stunde X kommt, dann wissen die Jungs, was zu tun ist.“

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

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