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Papstbesuch : Die Subkultur des Westens

Vernunft mit dem Göttlichen vereinen: Der Papst in Regensburg Bild: AP

Atheismus als Sicherheitsrisiko: In seiner Regensburger Rede stellte Benedikt XVI. klar, daß Gleichgültigkeit keine Antwort auf die islamische Herausforderung ist. Was der Papst gegen den Islamismus aufzubieten gedenkt.

          4 Min.

          Auch am Bahnhof von Regensburg paßt man inzwischen auf, wenn irgendwo ein herrenloser Koffer herumsteht. Insoweit brauchte der Papst sich nicht in langen Begründungen zu ergehen, als er in der Regensburger Universität darlegte, warum der Katholizismus eine vernünftige Option des Denkens sei, ja, warum das Christentum die Welt retten kann.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Hatte die Verteidigung des Glaubens ehemals aufwendige ontologische Tüfteleien erfordert (Seinsmetaphysik, Naturrecht), so kann sich die moderne Apologie darauf verlegen, Atheismus als Sicherheitsrisiko zu beschreiben. In der Annahme, der Rest (volle Kirchen) komme dann schon von allein. Nach dem Motto: Eine Kultur, die nicht glaubt, darf sich nicht wundern, wenn sie zur Zielscheibe der islamistischen Aggression wird. So hat es der Papst natürlich nicht gesagt. Aber so ähnlich.

          Christentum als Therapie?

          Er hat in der Regensburger Universität, einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt, gesagt: „In der westlichen Welt herrscht weithin die Meinung, allein die positivistische Vernunft und die ihr zugehörenden Formen der Philosophie seien universal. Aber von den tief religiösen Kulturen der Welt wird gerade dieser Ausschluß des Göttlichen aus der Universalität der Vernunft als Verstoß gegen ihre innersten Überzeugungen angesehen. Eine Vernunft, die dem Göttlichen gegenüber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen abdrängt, ist unfähig zum Dialog der Kulturen.“ Wer aber unfähig zum Dialog der Kulturen ist, der begeht heutzutage kein Kavaliersdelikt. Der holt sich vielmehr die Bomben ins Haus. Ist der Katholizismus also ein Angebot, das man nicht ablehnen kann? Schon John Locke hatte den Atheismus als Sicherheitsrisiko eingestuft, als er meinte, auf die Eide von Nichtgläubigen könne man nichts geben.

          Bild: F.A.Z.-Mohr

          Der Papst hat sich in Regensburg auf die Seite derer geschlagen, die im Dialog der Kulturen eine Selbstkritik des Westens fordern. Gegen die islamistische Bedrohung tritt das Christentum, so wie es aussieht, nicht im Zeichen der „Wahrheit“ an, sondern im Zeichen der Therapie. Als Gegengift zu „uns bedrohenden Pathologien der Religion und der Vernunft, die notwendig ausbrechen müssen, wo die Vernunft so verengt wird, daß ihr die Fragen der Religion und des Ethos nicht mehr zugehören. Was an ethischen Versuchen von den Regeln der Evolution oder von Psychologie und Soziologie her bleibt, reicht ganz einfach nicht aus.“ Ohne Gott reicht“s nicht aus, ohne Gott geht“s nicht auf - klingt hier, mit sicherheitspolitischer Pointe, eine Kompensationstheorie des Christentums an?

          Kritik an Patchwork-Religiosität

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