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Papst-Sprecher tritt zurück : Hätte er besser mal vollständig zitiert

Bat um seine Demission: Dario Viganò. Bild: dpa

Weil er einen Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an Papst Franziskus lückenhaft wiedergab, geriet der Kommunikationschef des Vatikans in die Bredouille. Jetzt ist Dario Viganò zurückgetreten.

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          Der Präfekt des Kommunikationssekretariats im Vatikan ist zurückgetreten. Papst Franziskus ließ am Mittwoch mitteilen, er habe „nach einigem Zögern“ das Demissionsgesuch angenommen, das Dario Viganò schon am Montag eingereicht hatte. Der 55 Jahre alte Viganò begründete seinen Rücktritt mit der ausufernden Polemik um seine Arbeit. Mit seiner Demission wolle er verhindern, dass die vom Papst 2015 eingeleitete Reform des Kommunikationswesens des Heiligen Stuhls in irgendeiner Weise „hinausgezögert, beschädigt oder gar blockiert“ werde.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Auslöser des Streits um Viganòs Amtsführung war ein persönlicher Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an Viganò über die theologischen Fähigkeiten von Papst Franziskus. In dem Schreiben lobt Benedikt seinen Nachfolger Franziskus als „Mann tiefer philosophischer und theologischer Bildung“ und hebt die „innere Kontinuität zwischen den beiden Pontifikaten“ hervor. Zugleich kritisiert Benedikt aber auch ausdrücklich den deutschen Theologen Peter Hünermann, den Viganò als Autor eines Büchleins über Franziskus hatte gewinnen können, als Initiator antipäpstlicher Kampagnen.

          Viganò hatte aus dem persönlichen Schreiben Benedikts zunächst nur die Passagen verlesen und publiziert, in welchen sich der emeritierte Papst positiv über seinen Nachfolger äußert. Zudem hatte er ein Foto des Briefs digital manipulieren lassen.

          Das Sekretariat für Kommunikation hatte Franziskus im Juni 2015 eingerichtet, um die Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans unter einem Dach zu vereinen. Mit der Schaffung des dritten Sekretariats – neben jenen für diplomatische Beziehungen und für Wirtschaftsfragen – wurde die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit für den Heiligen Stuhl deutlich aufgewertet.

          Kritiker Viganòs hatten schon vor dem als „Lettergate“ bezeichneten Missgriff mit dem Brief Benedikts die Effizienz des Sekretariats in Frage gestellt. So ist die mit großem Aplomb beworbene neue Website „vaticannews“ noch immer nicht über eine Beta-Version hinausgekommen. Aus Anlass des fünften Jahrestages der Papstwahl Jorge Mario Bergoglios vom 13. März hatte das Sekretariat eine veritable Werbeoffensive für Franziskus gestartet, obschon der Papst außerhalb der Mauern des Vatikans nach wie vor recht populär und selbst sein bester Werbeträger ist. Als möglicher Nachfolger für Viganò ist der irische Bischof Paul Tighe im Gespräch.

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