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Ost-West-Kulturaustausch : Nina war eine Naturgewalt

Konterrevolution in Pink: Nina Hagen wenige Monate nach ihrer Ausreise aus der DDR Bild: Getty

Womit der Osten den Westen Deutschlands kulturell bereicherte, als die Mauer noch stand: über Nina Hagen, die Spur der Defa-Film und andere Vermächtnisse der ehemaligen DDR.

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          Wer in den siebziger Jahren tief im Westen aufwuchs und keine Verwandtschaft in der DDR hatte, mithin keinen Paketaustausch über die innerdeutsche Grenze unterhielt, der Kaffee und Mixtapes in die eine Richtung, Partituren und Christstollen in die andere Richtung beförderte, dem konnte das kleine, unnahbare Land hinter Hersfeld und Fulda durchaus als knallbonbonbunte Phantasielandschaft erscheinen. Zu tun hatte diese kindliche Vorstellung nicht zuletzt mit Nina Hagen, die zu jener Zeit als tobender und jauchzender Derwisch plötzlich aufgetaucht war und mit lustvollem Furor und einer Stimme, die von Zarah-Leander-Tiefen mühelos vier Oktaven hinaufklettern konnte, wie eine „Naturgewalt“ (Udo Lindenberg) über die westdeutsche Biederkeit herfiel.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Die junge, reizend-aufreizende Punkerin aus Ost-Berlin mit den schwarz umrandeten Augen und Songs wie „TV-Glotzer“ oder „Unbeschreiblich weiblich“ mischte die Szene des Westens damals auf wie keine andere. Dabei war sie gar nicht aus dem Off gekommen, sondern hatte bereits eine solide Karriere hinter sich. Neunzehnjährig, in Blumenkleid und mit Hut, hatte die als Catharina Hagen 1955 zur Welt gekommene Sängerin in der DDR den Schlager „Du hast den Farbfilm vergessen“ gesungen – und damit einen irren Hit gelandet in einem Land, in dem mit den Orwo-Werken die einstmals größte Filmfabrik Europas stand, das im Laufe seiner Geschichte jedoch im Alltagsgrau versank.

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