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Oligarch Evgeny Lebedev : Ein russischer Gatsby fürs Herrenhaus

  • -Aktualisiert am

Evgeny Lebedev mit der Schauspielerin Claire Foy bei den 64. Evening Standard Theatre Awards in London im November 2018 Bild: Picture-Alliance

Förderer der Interessen Putins? Der Oligarch Evgeny Lebedev sammelt Kunst und holt Gäste mit dem Privatflugzeug ab. Für seine Treue zu Boris Johnson bekommt er jetzt einen Sitz im britischen Oberhaus.

          6 Min.

          Park Square am Rand von Regent’s Park gehört zu den besten Adressen Londons. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts nach Entwürfen des Architekten John Nash gebaut, vermitteln die palastartigen Häuserzeilen zugleich Verfeinerung und Diskretion. Umso auffälliger die schwarzen Limousinen und die Schar schwarzgekleideter Wachleute vor dem Haus, zu dem im Dezember vorigen Jahres am Tag nach dem Wahlsieg Boris Johnsons die beiden Lebedevs, Vater Alexander und Sohn Evgeny, Prominente aus Politik, Gesellschaft und Kultur geladen hatten.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Anlass war der sechzigste Geburtstag Alexander Lebedevs, des ehemaligen KGB-Agenten, der, als Wirtschaftsattaché getarnt, im London der Achtziger die freie Marktwirtschaft studierte. In den neunziger Jahren wandte er das Wissen an, um im „wilden Osten“ der zerfallenen Sowjetunion ein großes Vermögen anzuhäufen mit Anlagen im Bankwesen, in der Luftfahrtindustrie, in Immobilien, im Kartoffelanbau und im Zeitungswesen. Alexander Lebedev und sein nur zwanzig Jahre jüngerer Sohn Evgeny, dem er die 2009 erworbenen britischen Titel „Evening Standard“ und „Independent“ überließ, stehen in einer langen Tradition von Investoren, die sich seit dem späten neunzehnten Jahrhundert als Verleger im Vereinigten Königreich Einfluss verschaffen. Der Journalist Peregrine Worsthorne sah den Einstieg der beiden Russen in das britische Zeitungsgeschäft damals als ein weiteres Indiz dafür, „dass wir keine seriöse Nation mehr sind“. Dabei hatte der konservative Premierminister Stanley Baldwin bereits in den dreißiger Jahren die Methoden der Pressezaren in Frage gestellt, die ihre Organe als Propagandamotoren für ihre ständig wechselnde Politik, für ihre Laster, Vorlieben und Abneigungen einsetzten. Ihr Ziel sei „Macht ohne Verantwortung – das Vorrecht der Kurtisane durch alle Zeiten hinweg“.

          Unternehmer und Philanthrop

          Die Motive der Lebedevs sind weniger durchsichtig als die der langen Kette oft ausländischer Zeitungsbesitzer von den Rothermeres und Astors über Lord Beaverbrook bis zu Roy Thomson, Rupert Murdoch und Conrad Black. Dem kunstsinnigen Evgeny Lebedev, der sich als Unternehmer und Philanthrop bezeichnet, scheint es weniger um politische Macht als um gesellschaftliches Prestige zu gehen. Er ziert sich mit großen Namen, gibt glanzvolle Feste, bei denen Champagner fließt und kiloweise Kaviar serviert wird, wie an jenem Dezemberabend, an dem Mick Jagger und Bob Geldof hinter der weißen Stuckfassade am Park Square ebenso zugegen waren wie der ehemalige Premierminister David Cameron, Prinzessin Eugenie, eine Enkelin der Königin, Peter Mandelson, einst die graue Eminenz von Tony Blair, sowie die Künstler Antony Gormley und Grayson Perry. Zur Überraschung einiger Gäste kam auch Boris Johnson mit seiner Lebensgefährtin Carrie Symonds, obwohl nur wenige Stunden vergangen waren, seitdem er die Hand der Königin geküsst hatte, wie es im Hofprotokoll heißt, wenn der Premierminister vom Monarchen im Amt bestellt wird.

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