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Die Ruinen des zerstörten Theaters von Mariupol Bild: Azov Handout via REUTERS

Offener Brief : „Stoppt den Krieg und den Kulturboykott“

  • Aktualisiert am

Ein Offener Brief internationaler Künstler verurteilt den Krieg gegen die Ukraine wie den Pauschalboykott gegen russische und belarussische Künstler. Unterzeichnet haben unter anderen Sir Simon Rattle, Sasha Waltz und Serge Dorny, initiiert hat ihn der russische Dirigent Vladimir Jurowski. Wir dokumentieren den Brief erstmals auf Deutsch.

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          Der russische Dirigent Vladimir Jurowski, Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper München und Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, hat einen internationalen Appell initiiert, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu verurteilen. Zugleich fordert der Offene Brief, keinen Pauschalboykott gegen russische und belarussische Künstler zu verhängen und keinen Druck auf diese auszuüben, sich öffentlich zu bekennen. Zu den mehr als hundert Erstunterzeichnern zählen namhafte Künstler wie Sir Simon Rattle, Franz Welser-Möst, Tabea Zimmermann oder Patricia Kopatchinskaja. Auf dem Portal change.org ist der Aufruf für weitere Unterschriften zugänglich. Wir bringen hier die Erstveröffentlichung in deutscher Sprache.

          Stoppt den Krieg und wirkt dem pauschalen Boykott russischer und belarussischer Kulturschaffender entgegen

          Der skrupellose Krieg, den Putins totalitäres Regime gegen die souveräne Ukraine entfesselt hat und im Zuge dessen russische Panzer und Raketen auf unschuldige Zivilisten zielen, lässt sich in keiner Weise rechtfertigen. Das Bombardieren und Angreifen von zivilen Objekten wie Krankenhäusern, Schulen, Theatern, Universitäten, Bibliotheken oder Kirchen sind Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die ausnahmslos und unmissverständlich verurteilt werden müssen. Viele Künstler, Musiker, Komponisten und Theaterschaffende in der Ukraine, unsere Kolleginnen und Kollegen, werden durch den Krieg der Möglichkeit beraubt, ihre Kunst frei auszuüben. Das Leid all derer, die von diesem Angriffskrieg betroffen sind, ist unermesslich und wir verstehen, dass unser nachstehender Appell unter diesen Umständen nicht die höchste Priorität genießt und einigen vielleicht sogar unangemessen oder beleidigend erscheinen könnte – schließlich kommt es in erster Linie jetzt darauf an, den Krieg schnellstmöglich zu beenden und Leben wieder aufzubauen –, aber dennoch möchten wir unseren Standpunkt darlegen.

          Wir befürworten vorbehaltlos die Sanktionen und den diplomatischen Druck, die gegen das Putin-Regime und seine Handlanger, gegen seine Befürworter, Propagandisten und Informationsmanipulatoren sowie gegen Personen oder Organisationen, deren Verbindungen zu Putin und seiner Regierung eindeutig dokumentiert sind, ausgeübt werden. Aber nicht alle Russen und Belarussen, und schon gar nicht alle Kulturschaffenden dieser beiden Nationen unterstützen diese schreckliche Invasion. Somit erachten wir es als ungerecht, Russen oder Belarussen für die Handlungen des Diktators und seiner Anhänger pauschal zu verurteilen, wenn keine direkten Beweise für ihr Mitwirken vorliegen. Einen Kulturschaffenden aufgrund seiner Nationalität von einer Veranstaltung auszuschließen, gleichzeitig dem Künstler persönlich aber nicht schaden zu wollen, wie es nun bereits mehrfach geschah, ist nicht möglich. Die Nationalität sollte keine Rolle spielen – niemand müsste seine Herkunft oder Staatsangehörigkeit rechtfertigen müssen.

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