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NS-Rassenideologie : Reichsuniversität Straßburg ließ Häftlinge ermorden

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Johannes Stein (1890 bis 1967), Professor für Innere Medizin und Dekan der Medizinischen Fakultät der Reichsuniversität, war aus Heidelberg nach Straßburg gekommen und wurde nach 1945 Chefarzt am Johanniter-Krankenhaus in Bonn. Bild: Bridgeman

Um die anatomische Sammlung der Reichsuniversität Straßburg zu ergänzen, wurden KZ-Häftlinge ermordet. Über das Verbrechen klärt nun eine Studie auf.

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          Ein exemplarisches NS-Verbrechen hat ausgerechnet im beschaulichen Elsass stattgefunden, das mit dem Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, in dem sich 52.000 Häftlinge befanden, eher am Rande der historischen Gräuelkarten erscheint. Die Tragweite einer Tat misst sich eben nicht nur an Opferzahlen, sondern auch an ihrer funktionalen und moralischen Dimension. Genau hier tun sich Abgründe auf: An der von 1941 bis 1944 existierenden Reichsuniversität Straßburg (RUS) wollte August Hirt, Direktor des dortigen Anatomischen In­stituts, die NS-Rassentheorie konsequent umsetzen und die von Gustav Schwalbe von 1884 bis 1914 für die Straßburger Universität aufgebaute anatomische Sammlung „nach modernen Gesichtspunkten“ (Hirt) ergänzen: durch Skelette von Juden.

          Das Projekt wurde von Wolfram Sievers unterstützt, dem Leiter des „Ahnenerbes“, einer wissenschaftlichen Institution zur Legitimierung der NS-Rassenlehre. Es bewegte sich zwischen medizinischen Studien am Objekt und musealer Konservierung jüdischer Spezimina – in Vorwegnahme ihrer Ausrottung.

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