https://www.faz.net/-gqz-86q4t

Zukunft Europas : Diese Rettung liegt im deutschen Interesse

  • -Aktualisiert am

Der Streit über Hilfe für Griechenland spaltet die Unionsfraktion. Dabei kann das Land den Euro gar nicht verlassen. Nun rückt die Einigung einen Schritt näher, aber schmerzlos wird sie nicht sein. Ein Gastbeitrag.

          So sehr haben uns Dramatik und Dramaturgie des Griechenland-Showdowns gefesselt, dass wir dazu neigen, das, was wir unmittelbar sehen, für das Eigentliche und Wichtige zu halten. Doch das ist es nicht. Natürlich spielt das Stück in Griechenland, aber sein eigentliches Thema ist nicht Griechenland, sondern Europa. Leider! Ginge es um Griechenland oder genauer: könnte man das Problem darauf begrenzen, wäre es isolierbar, und dann gäbe es eine Lösung, die zwar schmerzhaft für Griechenland, aber für alle anderen relativ einfach wäre angesichts eines griechischen Anteils von rund zwei Prozent am Bruttoinlandsprodukt des Euroraums und eines Bevölkerungsanteils von rund 3,5 Prozent.

          Ja, so wäre es, wenn nicht der Euro wäre. Darum scheint der Vorschlag ebenso einfach wie verlockend, dass man den Griechen nur den Euro nehmen müsse, um das Problem lösbar zu machen. Genau das ist aber ein Trugschluss. Denn die Möglichkeit, irgendeinem Mitglied der Währungsgemeinschaft den Euro zu nehmen, besteht nicht. Der Euro ist unumkehrbar, allerdings nicht unzerstörbar. Mit der Europäischen Währungsunion ist an die Stelle der diversen nationalen Währungen und Währungspolitiken eine neue gemeinschaftliche Souveränität getreten. Sie kennt schon rechtlich keinen Austritt, geschweige denn einen Ausschluss.

          Niemand profitiert so sehr wie Deutschland

          Aber vor allem ist der Euro politisch unumkehrbar. Wenn der Fall Griechenland etwas beweist, dann das. Noch nicht einmal ein Staat wie Griechenland, dem der Euro mit seinem starken Außenwert nahezu die Luft zum Atmen nimmt, erwägt, ungeachtet zahlreicher und prominenter Ratschläge von außen, den Euro zu verlassen. Frankreich und Italien, die beiden größten Volkswirtschaften in der Eurogemeinschaft nach Deutschland, lehnen dies kategorisch ab. Denn für beide Länder ist die Unumkehrbarkeit der Euro-Mitgliedschaft existentiell. Und das gilt auch für Deutschland.

          Norbert Röttgen

          Es gibt kein anderes Land, das wirtschaftlich so sehr wie Deutschland davon profitiert, dass es keine nationale Währungspolitik mit der Folge von Ab- und Aufwertung zum Ausgleich wirtschaftlicher Leistungsunterschiede der Staaten mehr gibt. Es gibt auch kein anderes Land, das politisch mehr von Stabilität und Institutionenbildung in Europa profitiert als Deutschland, weil die EU der entscheidende Kontext unseres außenpolitischen und außenwirtschaftlichen Handelns ist. Es gibt kein anderes Land, für das die europäische Integration mehr als für uns der politische Mechanismus für Wiedereingliederung, Wiederaufstieg und Wiedervereinigung gewesen ist. Ich habe übrigens noch bis vor kurzem gedacht, dass man diese Selbstverständlichkeiten nicht mehr aufschreiben müsste.

          Toxischer Nationalismus und Populismus

          Wie jede Währung ist der Euro ein rechtlich-politisch-kulturelles Gebilde, eine Realität, die, einmal begründet, nicht mehr zur Disposition seiner Mitglieder steht. Es ist so wie bei Faust, den Mephistopheles belehren muss: „Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.“ Es wird also keinen Grexit geben, auch keinen vorübergehenden. Denn beides bedeutete dasselbe – auch hierüber hat die Dramaturgie eine verbreitete Fehlwahrnehmung verursacht. Wenn man sich als Gedankenspiel auf einen Grexit einlässt, wird schnell klar, dass er in jedem Fall auf den unbestimmten Zeitpunkt des Wiedererreichens der Beitrittsanforderungen befristet wäre, und zwar europarechtlich wie politisch.

          Weitere Themen

          San Diego im Comic-Con-Wahn Video-Seite öffnen

          Superhelden und Superschurken : San Diego im Comic-Con-Wahn

          Was als Gelegenheit für Comic-Fans begann, Ausgaben zu kaufen und zu verkaufen oder die Autoren der Comics kennenzulernen, gilt heute als die weltgrößte Messe ihrer Art. Immer populärer geworden ist auch Cosplay - der Darstellung einer Figur aus Comic, Videospiel, oder Manga.

          Topmeldungen

          Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin.

          Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

          Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.

          Persischer Golf : Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Ein weiterer Zwischenfall im Golf schafft Verwirrung. Iran dementiert amerikanische Angaben über einen Drohnenabschuss. Zugleich macht Teheran ein neues Gesprächsangebot.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.