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Gespräch mit Amerika-Kenner : Nur klarer Verstand sorgt für Frieden

  • -Aktualisiert am

Der Koffer mit den Codes für die amerikanischen Atomwaffen, „football“ genannt, auf dem Weg ins Präsidentenflugzeug Bild: Picture-Alliance

Was steckt hinter Trumps Drohungen an Nordkorea? Hat der amerikanische Präsident eine Taktik? Ein Gespräch mit dem konservativen Autor David Frum, der Bushs Formel von der „Achse des Bösen“ prägte.

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          Haben Sie schon angefangen, Wasser, Dosenbohnen und Batterien im Keller zu horten für den Fall eines atomaren Erstschlags?

          Ich wohne in Washington, aber mein Wochenendhaus liegt mehrere Autostunden von Ottawa entfernt im kanadischen Hinterland von Ontario. Ich bin hoffentlich außer Reichweite, wenn der Atompilz sich setzt. Aber ein paar Gurkengläser müsste ich noch im Regal stehen haben für den Fall der Fälle. (lacht)

          Wie besorgt sollten wir sein, angesichts der verbalen Aufrüstung auf beiden Seiten in den vergangenen Tagen?

          Ich persönlich bin sehr besorgt. Nur sollten wir uns im Klaren sein, was wirklich so besorgniserregend ist: Die Nordkoreaner sind die eigentlichen Bösewichte in diesem Konflikt, seit sie 2006 in die Riege der Atommächte aufgestiegen sind. Das Land hat jahrelang ein geheimes Austauschprogramm mit den Iranern betrieben: Waffen- gegen Nukleartechnologie. Genau davor hatte Präsident Bush damals in seiner „Axis of Evil“-Rede gewarnt. Was Donald Trump getan hat, bloß weil er offenbar schlechte Laune hatte: Er hat die Situation verbal eskalieren lassen.

          Es begann damit, dass Trump Anfang der Woche vor laufender Kamera angekündigt hat, Nordkorea müsse sich auf „Feuer und Zorn“ gefasst machen.

          Die unmittelbarere Bedrohung entsteht aber erst daraus, was umgehend nach Trumps Statement passierte: Da wurde die Aussage des Präsidenten nämlich revidiert. Der Verteidigungsminister, Jim Mattis, erklärte der Presse, dass das State Department an einer diplomatischen Lösung arbeite. Wir sehen: Die Worte des Präsidenten haben keine Letztgültigkeit. Und die Welt, und zwar Freunde wie Feinde, fragt sich plötzlich, wer eigentlich für die Vereinigten Staaten spricht und wessen Wort am Ende am meisten Gewicht hat.

          Trump legt nach : Weitere verbale Hiebe gegen Nordkorea

          Außenminister Tillerson hat dann einen Tag später gesagt, dass die amerikanischen Bürger „nachts beruhigt schlafen“ könnten.

          Und gleichzeitig erklärte Sebastian Gorka, der Trump im Weißen Haus in außenpolitischen Fragen berät, dieser Konflikt mit Nordkorea sei das heutige Pendant zur Kuba-Krise. Ach ja? Eins kann ich Ihnen versichern: Während der Kuba-Krise hat keiner gut geschlafen.

          Wie besorgt macht es Sie, dass Trump drei Generäle in seinen Reihen hat: Mattis als Verteidigungsminister, John Kelly als neuen Stabschef und H. R. McMaster als Nationalen Sicherheitsberater?

          Mattis ist allgemein nicht als Kriegstreiber verschrien, trotz seines Spitznamens „Mad Dog“. McMaster wiederum ist mit einem Buch bekanntgeworden, in dem er das amerikanische Militär der Vietnam-Ära kritisierte, weil es die Belange der Zivilbevölkerung in vielen Fällen missachtet haben soll.

          Trotzdem würde man Generälen in einem Konflikt eher eine Sehnsucht nach Action unterstellen als ein paar Lehrern oder Anwälten, die im Weißen Haus sitzen.

          Ich erkenne keine explizite Angriffslust bei diesen Männern. Aber so fähig die drei auch sein mögen: ein moderner Staat sollte anders funktionieren. Da sitzt dann neben dem Militärpersonal eine Reihe von Experten mit am Tisch, Vertreter der Legislative: Leute, die sich auskennen und die mit ihren Kenntnissen die Meinung jener einen Figur bereichern, die am Ende die Entscheidung treffen muss. Aber in der Regierung von Präsident Trump sehe ich keinen, der zum Beispiel die Südkoreaner beruhigt oder die Bedürfnisse der Japaner in diesem Streit zum Ausdruck bringt.

          John F. Kennedy während der Kuba-Krise
          John F. Kennedy während der Kuba-Krise : Bild: Picture-Alliance

          Die Lage erschwert zudem, dass die neue Regierung noch Hunderte von diplomatischen Posten nicht besetzt hat: Es gibt im Augenblick keinen amerikanischen Botschafter für Südkorea und auch keinen Abgesandten für ASEAN, den Verband Südostasiatischer Nationen.

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