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Gespräch mit Amerika-Kenner : Nur klarer Verstand sorgt für Frieden

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Trotzdem haben die Nordkoreaner weiter am Atomprogramm gewerkelt – und jetzt drehen sie Präsident Trump obendrein noch eine Nase.

Das stimmt. Es gibt noch weitere Mittel und Wege. Obama hatte beispielsweise ein Programm, das technologische Sabotage vorsah. Man kann auch bestimmte Leute aus Nordkorea mit Sanktionen belegen. Die Militäroption ist am Ende keine reale: Nicht, weil das Regime so stark ist, sondern weil es so schwach ist. Wenn die Vereinten Nationen oder Japan wollten, könnten sie das Land wirtschaftlich langsam ersticken. Das wissen die Nordkoreaner. Niemand will unvorstellbares Unheil über Südostasien bringen, wenn dieses Regime früher oder später eh verschwinden wird. Der wahrscheinlichste Ausgang in diesem Streit ist doch, dass Nordkorea wie Kuba endet: Das Regime wird kein bisschen demokratischer, bloß korrupter, um an seinem Machthunger festzuhalten.

Welche Flanken sollte Trump eigentlich zuerst schließen, damit die Regierungsgeschäfte vorangehen? Die Ermittlungen im Fall Russland, die Durchstechereien aus dem Weißen Haus, die Probleme im Kongress?

Ich kann diese Frage nicht beantworten. Wenn Trump ein Präsident wäre, der Fragen so analysieren würde, wäre er nicht dort, wo er ist. Er ist genau dort, wo er ist, weil er seine Präsidentschaft nicht so angeht. Die Situation im Weißen Haus ist teilweise so aberwitzig, dass unser journalistisches Vokabular das kaum in Worte packen kann. Trump bemüht sich noch nicht einmal, ein normaler Präsident zu sein.

Sie haben Anfang des Jahres im Magazin „Atlantic“ ein desaströses Bild der amerikanischen Demokratie in den kommenden vier Jahren unter Trump gezeichnet. Wenn man Sie so reden hört, klingt es, als sei es für Trump jetzt schon zu spät, das Ruder irgendwie noch einmal herumzureißen.

Gerät eine Regierung in Schwierigkeiten wie die amerikanische jetzt, gibt es normalerweise einen einfachen Ratschlag: Reinen Tisch machen, die Wahrheit sagen, vielleicht den Stabschef austauschen, vielleicht einen Minister. Man muss dann einen Monat mit schlechten Umfragewerten durchstehen, aber der Präsident entschuldigt sich, und danach geht es weiter. Aber reinen Tisch bei den Wahlkampfverwicklungen mit Russland machen?

Wir kennen das gesamte Ausmaß dieser Verwicklungen nicht, also inwiefern sich Trumps Leute wirklich mit den Russen abgesprochen haben. Aber wenn die ihr Blatt aufdecken würden, stünde für den ein oder anderen womöglich Gefängnis auf dem Spiel. Auf baldige Geständnisse brauchen wir da nicht zu hoffen, oder?

Wir wissen ungefähr seit dem Sommer 2016, dass die Russen versucht haben, die Wahl des Präsidenten zu manipulieren. Am 7. Oktober 2016 um 16 Uhr veröffentlichte die „Washington Post“ das „Grab them by the pussy“-Video mit Trump, eine halbe Stunde später folgte dann Wikileaks mit den E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfleiter John Podesta. Zufall? Vielleicht. Eher wirkt es aber so, als ob Wikileaks auf den E-Mails gesessen hätte, um sie an einem für Trump günstigen Zeitpunkt zu veröffentlichen. Für mich riecht das alles danach, als ob es systematisch betrieben worden wäre. Vielen dieser Absprachen wird man aber womöglich niemals nachweisen können, ein Verbrechen gewesen zu sein – wenn sich alle an die Wahlgesetze gehalten haben. Doch selbst wenn Trump vollkommen unbeteiligt und bloß Nutznießer dieser ganzen Aktionen gewesen ist: dass Putin versucht hat, Wahlen in einem anderen Land zu beeinflussen, wäre unter normalen Umständen schon Skandal genug.

Interview Daniel C. Schmidt

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