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Gespräch mit Amerika-Kenner : Nur klarer Verstand sorgt für Frieden

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Das Personal in und um die Regierung muss bei Trump drei Qualifikationen erfüllen: Erstens halbwegs kompetent sein, zweitens aktuell in keinem Skandal stecken und drittens Trump im Wahlkampf unterstützt haben. Wenn Sie sich das mal als Mengendiagramm vorstellen, merken Sie schnell, dass die Schnittmenge in vielen Fällen relativ klein ist.

Wenn wir schon bei Kompetenz sind: Welche Taktik verfolgt Trump mit seinen Auslassungen? Dass Nordkorea eine zunehmende Bedrohung darstellt, kann man ja nicht bestreiten. Was ist so schlimm daran, wenn der Präsident mal auf den Tisch haut?

Bei Trump ist dieser Satz mit „fire and fury“ ja keineswegs aus einer strategischen Überzeugung heraus gefallen. Gucken Sie sich an, wie er da mit verschränkten Armen saß: Es sah vielmehr so aus, als sei es aus einer Laune heraus geboren. Trump hat all seine Berater überrascht. Eine andere Vorgehensweise scheint er nicht zu kennen.

Schon seltsam, dass der Zampano aus Manhattan, der ein Unternehmen geleitet und dabei Millionen bewegt hat, so wenig Gespür als Führungskraft zu haben scheint.

Es gibt ein einfaches Beispiel, woran man erkennen kann, was für eine Art Präsident Trump ist. Schauen wir uns doch nur mal an, wie John F. Kennedy damals die Kuba-Krise gehandhabt und wie er sich darum bemüht hat, einen Konsens zu finden. Kennedy ist zu Eisenhower gegangen, hat ihn um Rat gebeten – und als er sich sicher war, dass ihm sein Vorgänger in den entscheidenden Fragen zustimmt, hat er Eisenhower ein Statement aufsetzen lassen, in dem der Kennedys Politik unterstützt. Damit ist Kennedy dann zu den Demokraten und Republikanern gegangen und hat im Kongress weiter um Rückendeckung geworben.

Kennedy hat sich damals darum bemüht, die Situation unter Kontrolle zu behalten.

Er hat nicht einfach das Maul aufgerissen, ohne nachzudenken, was er da sagt, das ist richtig. Kennedy hat sich an das Volk gewandt, er hat sich an die Welt gewandt und versucht, den Menschen jeden seiner strategischen Schritte in dieser Krise zu vermitteln.

Ist es Trumps Problem, dass er nicht zwischen Strategie und Taktik unterscheiden kann?

Die Lehre aus diesem „Feuer und Zorn“-Satz ist ja nicht, dass Trump nicht deutlich werden darf. Manchmal ist es wichtig, dass ein Präsident auf derartige Provokationen tough reagiert. Aber alles, was Trump sagt, sollte abgewogen und durchdacht sein. Sobald man eine Drohung ausspricht, muss man sie auch durchziehen wollen. Aber Stunden später war die schon wieder hinfällig. Nordkorea hat ihn mit seiner Provokation auf die Probe gestellt – und anschließend selbst gedroht, einen Angriff auf Guam vorzubereiten. Warum ist es so gefährlich, leere Drohungen auszusprechen? Weil man dann die rote Linie nur zieht, damit der andere darüberspringen kann.

Könnte Trumps Unberechenbarkeit nicht ausnahmsweise auch mal ein strategischer Vorteil sein?

Taktik sollte genau das sein: unberechenbar. Strategie dagegen sollte man ausrechnen können. Nur hat Trump keine Strategie. Er hat bloß Taktiken, die sich situativ aus seinen Launen heraus zu ergeben scheinen. Wenn die Mächte sich im Ersten Weltkrieg genauer über ihre Absichten geäußert hätten, dann hätte sich der Konflikt vielleicht nie entzündet. Es ist immer noch der klare Verstand, der für Frieden sorgt.

Also, Ihr Vorschlag, wie man Kim Jong-un stoppt?

Seit Nordkorea Atomtechnologie besitzt, ist die einzige greifbare Strategie für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten, China unter wirtschaftlichen Druck zu setzen, um die Chinesen wiederum davon zu überzeugen, Nordkorea unter wirtschaftlichen Druck zu setzen. Das ist keine schöne Strategie, aber nur sie hat Erfolg.

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