https://www.faz.net/-gqz-9ux70

Nie wieder Feuerwerk? : Lass krachen!

Ganz ohne Feinstaub geht das nicht ab: Das Silvesterfeuerwerk in Sydney (hier ein Bild aus der Nacht zum 1. Januar 2016) ist ein Hingucker. Bild: dpa

Knallerei, Böller und Feuerwerke galten lange als Ausdruck der Freude: Wird das auch in Zukunft so sein – und wenn nicht, was wird sie ersetzen?

          4 Min.

          In der Politik ist es inzwischen so wie in der Silvestersendung „Dinner for One“: Jedes Jahr passiert das Gleiche, bei jeder Runde wirken die Teilnehmer ein bisschen beschwipster – nur dass die Politik nicht über Tigerköpfe hüpft, sondern mit schöner Regelmäßigkeit kurz vor Jahresende die symbolträchtigen Themen „Böllerverbot“ und „Tempolimit“ ventiliert. Das war schon so, als die Mauer noch stand, heute geht das Tempolimit-Drama in die etwa fünfzigste Runde, jetzt aufgeführt von der neuen SPD-Chefin Saskia Esken, die alles mag, was irgendwie links ist, außer den Leuten auf der linken Spur, und dem obersten Petrolhead der Nation, Andreas Scheuer – aber weil der Bundestag sich erst Mitte Oktober sehr deutlich gegen ein Tempolimit ausgesprochen hatte, konzentriert sich die Debatte dieses Jahr vor allem auf das andere Endjahresreizthema: die Böllerei.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Die Argumente dagegen sind bekannt: Es entstehen erhebliche Mengen von Feinstaub, Leute verletzen sich, Tiere leiden unter dem Krach. Die Fans der Knallerei verweisen im Gegenzug darauf, dass es sich bei Böllern und bunten Raketen um ein Kulturgut handele – das „Deutsche Feuerwerksbuch“ wird kommendes Jahr sechshundert Jahre alt, seit jeher inszenierten sich Könige gern als Herrscher über Himmel und Feuer: Ludwig XV. ließ 1770 bei einem Fest zwanzigtausend Raketen, sechstausend Vulkane und achtzig brennende Sonnen abfackeln. Erst als es mit dem Adel vorbei war, gerieten die Knaller in die Hände von jedermann.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+