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Joggen an der Außenalster : Nicht ohne mein SUV

Von der Morgensonne vergoldet: Jogger beim Stretching an der Außenalster Bild: Picture-Alliance

An der Hamburger Außenalster hat ein SUV frühmorgens für Jogger aus seinem Fond ein riesiges Schuhregal ausgefahren. Das kann doch noch nicht alles gewesen sein!

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          Hamburg an einem dieser heißen letzten Tage, morgens um halb sieben nahe beim Zufluss der Alster in die Außenalster: Rund um den prachtvollen großen See mitten in der Stadt verläuft die beliebteste Trimm-dich-Strecke der Hamburger. Ein elektronisches Messgerät zählt die täglichen Radfahrer, doch Läufer gibt es hier noch viel mehr. Wie etwa diese große Gruppe junger, bereits in Laufdress gekleideter Leute, die allerdings noch nicht läuft, sondern sich erst einmal im Frühsonnenschein um einen nachtschwarzen geparkten SUV versammelt.

          Der hat aus seinem Fond ein riesiges Schuhregal ausgefahren, wie es prachtvoller auch nicht von Andreas Gursky im Prada-Shop fotografiert worden ist. In jedem Einzelfach ein Paar sorgsam gepflegter Laufschuhe, eine farbige Parade des Leichtathletikluxus – und, ganz wörtlich, auch der Leicht-Athletik, denn was wiegt so ein fabelhafter teurer Schuh denn schon? Jedenfalls immer noch zu viel, als dass seine sportiven Eigentümer ihn höchstpersönlich zum Startpunkt ihrer morgendlichen Leibesertüchtigung transportieren wollten. Also lassen sie sich die Sportschuhkollektion dorthin kutschieren.

          Wahrscheinlich ist der Umkleide-SUV, in dem sich die Laufbekleidung befand, bereits wieder abgefahren. Mutmaßlich gab es deren sogar mehrere – die Gruppe ist knapp zwanzig Läufer stark, und verwöhnte Menschen warten nicht gerne. Und gibt es womöglich auch einen Dusch-SUV, in dem die Runde um den Alstersee dann ihren kühlenden Abschluss finden mag, falls die Herrschaften es überhaupt einmal ums ganze Gewässer schaffen? Das ist ja das Schöne an Automobilität beim Joggen: Wo immer der Läufer auch hinkommt, kann der Servicewagen schon da sein. Brav kreist er neben den Athleten um den See.

          Für den Fall, dass das Wetter eines Tages tatsächlich wieder einmal schlechter werden sollte, schlagen wir noch ein weiteres SUV-Modell vor: eines pro Gruppenmitglied, jeweils mit eingebautem Laufband im Fond, auf dem die Sportler dann im Trockenen weiterhin die Alster umrunden können. Nur die gerade etablierten Hamburger Dieselverbote könnten sich dabei als Hindernis erweisen. Aber die sind ja weit weg von hier. Und wer kontrollierte sie schon morgens um halb sieben? Da sind doch nur Heroen des Frühsports unterwegs.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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