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Debatte um Polizeigewalt : „Gerechtigkeit bedeutet für uns immer gleich Strafe“

  • -Aktualisiert am

Seattle, 11. Juli 2020: Ein Demonstrant begleitet die leitenden Polizeibeamten Adrian Diaz (links) und Deanna Nollette zu ihrem Revier in der sogenannten Autonomen Zone von Capitol Hill. Das Revier war während der Proteste nach dem Tod George Floyds von der Polizei aufgegeben worden. Bild: AFP

Überfordert, überlastet, nicht ausgebildet für die sozialen Aufgaben, die sie übernehmen soll: Der New Yorker Soziologe Alex S. Vitale fordert die Abschaffung der Polizei in den Vereinigten Staaten. Aber was dann?

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          Sie haben vor einiger Zeit mit Ihrem Buch „The End of Policing“ für ein grundsätzliches Überdenken der Polizeiaufgaben in den Vereinigten Staaten geworben. Jetzt, nach dem Tod George Floyds und den landesweiten Protesten, scheint ein Teil ihrer Argumente im Mainstream angekommen zu sein: Von Twitter bis zur „New York Times“ wird dafür geworben, den Polizeibehörden die Budgets zu streichen – oder die Polizei sogar in ihrer jetzigen Form abzuschaffen. Wie konnte es so weit kommen?

          Die Institution der Polizei in den Vereinigten Staaten hat problematische Ursprünge. Vielerorts kann man die Geschichte städtischer Departments zurückverfolgen bis zu Milizen, die koloniale Interessen gegen die indigene Bevölkerung durchsetzten, entlaufene schwarze Sklaven jagten oder gewaltsam Streiks niederschlugen. Darüber hinaus haben sich in den letzten fünfzig Jahren sowohl der Aufgabenbereich als auch die Gewaltanwendung amerikanischer Polizeiarbeit immens vergrößert. Durch neoliberale Sparpolitik haben sich Probleme wie massenhafte Obdachlosigkeit, fehlende Behandlungsmöglichkeiten für psychische Störungen und massiv kaputtgesparte öffentliche Schulen immer weiter verschlimmert. Die Polizei wurde beauftragt, diese Probleme zu verwalten. Zugleich wurden Polizisten immer wieder eingeredet, sie befänden sich in Kriegszuständen, denen man mit der „Mentalität eines Kriegers“ begegnen müsse: Der „War on Drugs“, der „War on Crime“, der „War on Gangs“. Passenderweise wurden städtische Behörden dann mit den ausrangierten Kriegswaffen des Militärs ausgestattet.

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