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New York in der Finanzkrise : Holzverschläge an der Madison Avenue

Nach Handelsschluss: Die Wall Street im November 2008 Bild: REUTERS

Nach dem Anschlag auf die Zwillingstürme glaubten die New Yorker, dass Konsum ihre Stadt heilen könne. Sie gaben Geld aus, als ließe sich dadurch die Zukunft kaufen. Nach dem Ende der Wall Street sehen sie nun, dass der Preis dafür zu hoch war.

          In der Wahlnacht vom 4. zum 5. November feierten die New Yorker ihre vorerst letzte große Party. Vor allem in Harlem und in Greenwich Village stürmten sie auf die Straßen, schon bevor Barack Obamas Wahlsieg offiziell wurde. Und als dann unwiderruflich ausgezählt war, mit welchem Vorsprung er John McCain geschlagen hatte und dass Obama deutlich mehr weiße Stimmen als frühere demokratische Kandidaten erringen konnte - und dies in einem Land, das in seiner Verfassung einst das Recht auf Sklavenhaltung festschrieb und lange Zeit seine schwarzen Bürger nur als Dreifünftel-Personen zählte -, da ging auch in anderen Vierteln ein Hup- und Sing- und Pfeifkonzert los, wie es die Stadt schon lange nicht mehr gehört hatte. Der scharfe Bariton der Busse, deren Fahrer überwiegend schwarz und angehalten sind, nur bei Gefahr zu hupen, dröhnte lange durch die Straßen. Es war eine Freude, und die Freude blieb. Die Party aber war am nächsten Tag vorbei.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ich ging am Tag nach der Wahl auf die Aussichtsplattform des Rockefeller Center. Es war ein trüber Tag, die Stadt verschwamm im diesigen Licht, als wäre hinter ihr keine Welt. Aber ich war nicht wegen der Aussicht gekommen. Vielmehr aus einer Stimmung heraus, ein paar Gedenkminuten für John Davison Rockefeller Jr. einzulegen. Der Erbe eines unfasslichen Vermögens, das sein Vater im Ölgeschäft gemacht hatte, unterschrieb sozusagen am Vorabend des Bankencrashs 1929 einen langjährigen Pachtvertrag mit der Columbia University über das damals schlammige Stück Land, auf dem heute das Rockefeller Center steht. Es ist eines der Wunder von New York, mit einundzwanzig Hochhäusern, vierzehn von ihnen in schönstem Art déco, in denen eine Viertelmillion Menschen arbeitet. Die Columbia University bekam damals 3,6 Millionen Dollar jährliche Miete für das Land, eine immense Summe. Rockefeller aber beschäftigte in einer Zeit, in der es keine Arbeit gab, 35 000 Menschen mit der Errichtung der Stadt in der Stadt, wie das Center bald hieß. Und erreichte damit, dass all die Grundstücke, die er in der Gegend der neuen Attraktion sowieso schon besaß, ihren Wert vervielfachten.

          „Recession Sale“ im besten Hotdog-Laden Manhattans

          Niemand ist in Sicht, der es ihm gleich- tun könnte, in der einen oder anderen Hinsicht. Heute fällt der Blick von der Aussichtsterrasse im siebzigsten Stock mitten hinein in die aktuelle Krise, auf das halbfertige Gebäude der Bank of America am Times Square nämlich, das seit Jahren halbfertig zu sein scheint. Immer wieder mal fällt Baumaterial von dem Rohbau, den einst das zweithöchste Haus der Stadt umschließen soll, was ganz harmlose Gründe haben mag. Oder wird hier doch am falschen Ort gespart?

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