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Wahlen in Spanien : Keine AfD weit und breit

Menschenpyramide bei einer katalanischen Unabhängigkeits-Kundgebung Bild: AP

Was würde wohl passieren, wenn es in Spanien eine Art AfD gäbe? Als Erstes würde die Partei auf Mallorca aufräumen. Nun sind aber die Spanier kaum populismusanfällig. Am Sonntag, bei der Neuwahl, wird man das wohl sehen.

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          Spanien ist nicht verloren, obwohl es keine Alternative hat. Gäbe es eine, dann dürfte sich eine „AfS“ in einem Paradiesgarten aus lauter Problemen austoben, wie ihn sich die AfD in ihren wildesten Träumen nicht zurechtstutzen könnte: Hunderttausende Armutsemigranten aus Rumänien, Bulgarien, Nordafrika und Lateinamerika haben das Land in den vergangenen Jahren überflutet und denken gar nicht daran, wieder zu verschwinden; fliegende Händler aus Schwarzafrika verstopfen die Prachtboulevards von Barcelona und Madrid; die Muslime tragen so offen Burka und Tschador, als hätte es die Reconquista nie gegeben; überall lauern Vaterlandsverräter im Separatistengewand; Brüssel knechtet die Spanier mit Spardiktaten; das Staatsdefizit liegt bei katastrophalen fünf Prozent; jeder Fünfte hat keine Arbeit, bei den Jugendlichen ist es sogar jeder Zweite; Zehntausende junger Menschen mussten auswandern, Hunderttausende hangeln sich von einer befristeten Anstellung zur nächsten, leben als „mileurista“ mit tausend Euro pro Monat von der Hand in den Mund und wissen, dass sich an ihrem Schicksal als verlorener Generation nichts mehr ändern wird – wegen einer politischen Kaste, die ein einziges, immerwährendes Desaster ist.

          Jakob Strobel y Serra
          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Die beiden Volksparteien PP und PSOE haben sich durch Korruptionsskandale diskreditiert und gehen miteinander so freundlich um wie die Capulets und Montagues. Nach der Parlamentswahl am 20. Dezember 2015, bei der es keinen Sieger gab, scheiterten alle Koalitionsverhandlungen an der Eitelkeit, Sturheit, Verbohrtheit des politischen Personals. Statt Lösungen gab es nur Gezänk, statt die Chance eines zaghaften Aufschwungs beim Schopf zu packen, beginnt das Land wieder in der dunkelsten Krise zu versinken.

          Aber was machen die Spanier? Sie zaubern keine dubiose Alternative aus dem Hut, verzweifeln nicht, radikalisieren sich auch nicht, verfluchen Europa nicht und haben nicht die geringste Sehnsucht nach den alten Zeiten und schon gar nicht nach der starken Hand des Caudillo Francisco Franco, obwohl es noch immer bedeutende konservative Milieus und einen mächtigen Klerus gibt.

          Radikalisierung nur in Ansätzen

          Natürlich hat auch Spanien seine Protestparteien. Doch statt populistischer Demagogen haben sich auf der einen Seite die konservativ-liberalen Ciudadanos etabliert, vernünftige Bürger ohne Schaum vor dem Mund, dafür mit staatsbürgerlicher Gesinnung. Ihr Gründer, der Barceloneser Rechtsanwalt Albert Rivera, hat Manieren statt völkischer Visionen, strebt „den sanften politischen Wandel“ an und spricht auch so, statt sich durch die Talkshows zu pöbeln.

          Auf der anderen Seite gibt es mit Podemos wenigstens Ansätze einer Radikalisierung. Die Partei wurde aus der Bewegung der „Empörten“ geboren, junger Spanier, die in einem besseren Land leben wollen, die alte politische Kaste am liebsten zum Teufel jagen würden und gegen Brüssels Spartyrannei aufbegehren. Ihr Chef Pablo Iglesias, wie Rivera Ende dreißig, Dozent der Politikwissenschaften, stammt aus einem linken Elternhaus mit Wurzeln in der Arbeiterbewegung, trägt Pferdeschwanz und einen Che-Guevara-Habitus zur Schau; er spielt sich aber weder als kommunistischer Utopist noch als geifernder Volkstribun auf, der die Demokratie in eine Diktatur des Proletariats umwandeln will. Deswegen ist sich die Öffentlichkeit noch nicht einmal darüber einig, ob es sich bei Podemos überhaupt um Populisten handelt.

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