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Neues Politikideal : Grün und Gelb ziehen sich an

  • -Aktualisiert am

Gesicht eines neuen Politikgestus: Esther Keller Bild: Nico Schmied

Kann es sein, dass eine ständigen Widersprüchen ausgesetzte Öffentlichkeit sich auch im Wahllokal nach einer Partei der Ambivalenzen sehnt? In der Schweiz lassen sich Vorzeichen eines neuen Politikideals erkennen.

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          In zwei Wochen wählen sie in Basel einen neuen Großen Rat. Und wie bei uns darf die FDP auch dort in der Schweiz nicht mit vielen Stimmen rechnen. Nicht nur, weil sie als Patronin der Besserverdienenden gilt, sondern auch, weil in der Stadt gerade eine Partei großen Zulauf hat, die ihr den Markennamen geklaut und ein entgegengesetztes Adjektiv vorangestellt hat: die Grün-Liberalen. Diese ursprünglich in Zürich gegründete Partei, die sich lange Zeit dafür rühmte, ohne Parteiprogramm angetreten zu sein, und seit letztem Jahr mit sechzehn Sitzen im Nationalrat vertreten ist, wirbt damit, Klimaschutz und liberale Wirtschaftspolitik unter einen politischen Hut zu bringen. Ihre Schlagworte sind umweltfreundliche Mobilität, ökonomische Flexibilität und gesellschaftliche „hundertprozentige Gleichstellung“.

          Esther Keller, die grün-liberale Spitzenkandidatin in Basel, ist 1984 geboren, wohnt in einer Frauen-WG, hat eine Biographie über den Kunstsammler Ernst Beyeler geschrieben und erst als Moderatorin bei einem lokalen Fernsehsender und später als Pressesprecherin für Novartis gearbeitet. Sie hat gute Chancen, am 25.Oktober zur Regierungsratspräsidentin gewählt zu werden und damit eine amtierende Grüne abzulösen. Der unideologisch-lebensnahe, traditionelle Gegensätze verbindende Pragmatismus, den sie ausstrahlt, scheint insbesondere in Krisenzeiten einen Nerv zu treffen, den die Schweizer Grünen und Liberalen für sich allein genommen im Moment verfehlen.

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