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Neues Museum in Paris : Beinahe-Armageddon am Ufer der Seine

  • -Aktualisiert am

Das neue „Musée de la Libération de Paris“ ganz in der Nähe zu den bei Touristen beliebten Katakomben an der Place Denfert-Rochereau. Bild: dpa

Das neueröffnete „Musée de la Libération de Paris“ zeigt die Jahre der deutschen Besatzung. Die Darstellung der letzten Tage der Okkupation Ende August 1944 bleibt dabei leider etwas farblos – und unvollständig.

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          Musée de la Libération de Paris – musée du général Leclerc – musée Jean Moulin“ – der Bandwurmname ist missverständlich. Das jüngste Pariser Museum, das am Sonntag eingeweiht wurde, hat nicht die Befreiung der französischen Kapitale aus den Klauen der Nazibesatzer zum Gegenstand. Vielmehr deckt es die gesamte Periode der Okkupation durch Hitlers Truppen zwischen Juni 1940 und August 1944 ab. „Musée de l’Occupation“ wäre als Name jedoch weniger werbeträchtig als „Musée de la Libération“. Und um die Steigerung der Publikumsattraktivität geht es bei dieser Eröffnung, die eigentlich eine Wiedereröffnung ist. Unter dem nicht minder gewundenen Namen „Mémorial du maréchal Leclerc de Hauteclocque et de la Libération de Paris – musée Jean Moulin“ war das Haus schon 1994 auf einer stets menschenleeren Esplanade über dem Montparnasse-Bahnhof gegründet worden. Mangels Besuchern führte es dort ein Schattendasein, 2015 beschloss die Pariser Stadtverwaltung seine Versetzung an einen belebteren Ort.

          Was für Geschichten erzählt es? Jene etwa von Philippe Leclerc de Hauteclocque und von Jean Moulin. Beide waren Widerständler der ersten Stunde. Leclerc setzte als Infanteriehauptmann trotz des Waffenstillstands von Juni 1940 den Kampf fort und stieß zu de Gaulle in London. Dieser hieß ihn italienische Stützpunkte im libyschen Fessan erobern, später das deutsche Afrikakorps bekämpfen. So verdiente sich Leclerc die Sporen als Divisionsgeneral und wurde mit der Bildung der 2. Panzerdivision betraut. An deren Spitze landete er Anfang August 1944 in der Normandie und befreite wenig später Paris. Moulin seinerseits widersetzte sich als Präfekt von Beginn an deutschen Diktaten, wurde Ende 1940 von der Vichy-Regierung entlassen und schloss sich ebenfalls de Gaulle an. Als dessen persönlicher Beauftragter trieb er anderthalb Jahre lang die Vereinigung der Résistance-Gruppen voran, bis ihn Mitte 1943 die Gestapo festnahm und zu Tode folterte. Der Staatsmann de Gaulle, der Soldat Leclerc und der Märtyrer Moulin bilden gleichsam die Dreifaltigkeit des „freien Frankreichs“.

          Fehlender Fokus und Unvollständigkeit

          Die Sammlung des Musée de la Libération de Paris ist aus Schenkungen und Nachlässen von Freunden und Verwandten Leclercs und Moulins hervorgegangen. Zu den wichtigsten Stücken zählen eine Kadettenuniform und ein marokkanischer Burnus aus dem Besitz Leclercs sowie eine Streichholzschachtel, in der Moulin Mikrofilme versteckte, und sein letzter Brief, ein unbeschwertes Schreiben an Mutter und Schwester. Die meisten Exponate sind visuell ähnlich unscheinbar – eine monumentale Hakenkreuzfahne und ein Prunksattel von Leclercs Dromedar-Reitern bilden markante Ausnahmen. Überwiegend erwarten den Besucher „stumme“ Gebrauchsgegenstände und Papierdokumente, die erst zum Sprechen gebracht werden müssen. Der chronologisch-thematische Parcours bewerkstelligt das, indem er allgemeine Sujets – das Leben im besetzten Paris, die Kollaboration mit den Deutschen – an spezifischen Objekten festmacht.

          Die Eleganz des Widerstands: Die Matisse-Schülerin Antoinette Sasse, hier auf einem Bild aus den dreißiger Jahren, war ein prominentes Mitglied der Résistance.

          Das Parade-Exponat des Museums findet sich 26 Meter unter der Erde. Mehr als hundert Treppenstufen führen da zu einem Bunker aus den späten Dreißigern hinab. Für die Zivilverteidigung bestimmt, beherbergte er während des Befreiungskampfs vom August 1944 den Generalstab der Widerständler unter der Führung von Henri Rol-Tanguy. Neben restaurierten Raumbezeichnungen wie „Secrétariat“ oder „PC Rol“ kann man hier auch das originale Belüftungssystem bestaunen, das durch zweckentfremdete Fahrräder betrieben wurde. Dieser Bunker ist der Hauptgrund, warum das Museum den darüber gelegenen Pavillon bezogen hat, den Claude-Nicolas Ledoux 1785 als eine Art Zollhaus an der heutigen Place Denfert-Rochereau errichtete. Spätestens hier, im Kommandoposten der hauptstädtischen Résistance, verfestigt sich dann der Eindruck, dass dem Parcours ein einheitlicher Fokus fehlt. Bestimmte Details werden hell ausgeleuchtet, manch größerer Zusammenhang aber bleibt im Halbdunkel.

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