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Googles neues Motto : Nicht böse sein

Google sucht nach einem neuen Leitgedanken. Das kann doch nicht so schwer sein. Bild: dpa

Google sucht ein neues Motto, und wir suchen mit. Ob mit oder ohne Google Glass. Denn der Konzern geht schon lange über seine Suchfunktion hinaus und braucht einen neuen gemeinsamen Nenner.

          Google sucht ein neues Motto. Oder hält es für angezeigt, nach einem neuen Motto zu suchen. Vielleicht. Oder wahrscheinlich. Zumindest ließ sich der Unternehmensgründer Larry Page im Interview mit der „Financial Times“ darauf ein, zu sagen, es sei an der Zeit, über ein neues „Mission Statement“ nachzudenken. Was angesichts der mannigfaltigen Dienste, die der Konzern inzwischen anbietet, sehr angebracht erscheint. Denn Google ist schließlich nicht nur die weltweit größte Suchmaschine.

          Der Konzern hat 2013 einen Umsatz von knapp sechzig Milliarden und einen Gewinn von knapp dreizehn Milliarden Dollar gemacht und gilt als wertvollste Marke der Welt. Er ist größter Werbevermarkter und hat sich seit seiner Gründung im September 1998 zu einem gigantischen Netzwerk entwickelt, selbst Dienste auf den Markt gebracht und zugekauft, was das Zeug hält. Was gibt es da nicht alles? Youtube, Google Maps, Google Earth, Gmail, Google+, Google Chrome, Google Apps, Google Glass, Google Adwords, Google Adsense, Google Health, Google Books, Google Ventures – und das ist bestimmt nicht einmal die Hälfte. Die jüngsten Übernahmen waren Motorola Mobility, die Robotik-Firma Boston Dynamics, die für das amerikanische Militär arbeitet; der Thermostat-Hersteller Nest Labs; die Firma Deep Mind, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, und der Drohnen-Entwickler Titan Aerospace.

          Die Macht der Daten

          Gemeinsam mit dem amerikanischen Geheimdienst hat Google „Recorded Future“ gegründet, die Entwickler von Google bringen das selbstfahrende Auto an den Start, die Leute in der Forschungsabteilung „Google X“ wollen Krebs heilen und Nanopartikel als Feuerwehr durch den Körper des Menschen jagen. Was könnte nun also das Motto sein für die Firma? Den Leitgedanken „don’t be evil“ zu ersetzen – darum solle es nicht gehen, heißt es bei Google. Ist schon klar: Wer so groß ist, will auf keinen Fall auch noch als böse gelten. Es soll beim neuen Motto, so Google, eher darum gehen, die Zuschreibung zu ersetzen, der zufolge sich das Unternehmen vorgenommen hat, „die Information der Welt zu organisieren und diese universal zugänglich und nutzbar zu machen“. Was tun?

          Google weiß alles über uns, weil wir im Internet Spuren hinterlassen. Und es unternimmt alles, um daraus Kapital zu schlagen und unser Verhalten zu steuern. Wie sagte Jeffrey Chester vom Center for Digital Democracy im Gespräch mit der „Washington Post“? „Sie überwachen und vermarkten das Leben der Menschen auf dem gesamten Globus.“ Dafür nun also bitte das richtige Motto. Am besten so etwas Divide-et-impera-mäßiges, Big-Brother-is-watching-you-artiges. Wie wäre es mit: Denn sie wissen, was wir tun. An ihren Daten sollt ihr sie erkennen. Im Anfang war die Cloud. Alle Wege führen ins Silicon Valley. Mit Google sieht man besser. Möge die Macht der Daten mit dir sein. Wir handeln nur nach derjenigen Maxime, durch die wir zugleich wollen können, dass alle Daten uns zugänglich werden und das kein allgemeines Gesetz verhindert. Am besten, wir fragen nach bei Google. Die Suchmaschine weiß schließlich, worauf wir aus sind.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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