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Sudetendeutsches Museum : Wie an Vertreibung erinnern?

Die Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg, das Leid von drei Millionen Sudetendeutschen während der wilden und der „ordnungsgemäßen“ Vertreibung dokumentiert die Ausstellung mit Empathie, aber ohne Polemik. Eher als aufzählende Selbstdarstellung wird dann über die sudetendeutschen Organisationen in der Bundesrepublik informiert. Der Besucher erfährt nicht, dass die Landsmannschaft die „Wiedergewinnung der Heimat“ nicht mehr beansprucht. Während sich der heutige Volksgruppensprecher Posselt in der jüngsten Podiumsdiskussion als Föderalist gab und sein Amt mit der „Queen im Commonwealth“ verglich, strebten viele seiner Vorgänger eine größtmögliche Homogenität der „Volksgruppe“ an. Das stieß unter sudetendeutschen Vertriebenen auch auf Widerspruch, etwa von Seiten des kulturorientierten Adalbert Stifter Vereins oder der „Gesinnungsgemeinschaften“ wie der katholischen Ackermann-Gemeinde und der sozialdemokratischen Seliger-Gemeinde. Auch davon erfährt man in der Ausstellung nichts.

Im Kontext des Zweiten Weltkriegs

Es ist ein Glücksfall, dass im kommenden Frühjahr auch im nordböhmischen Aussig ein Museum über die Deutschen in den böhmischen Ländern eröffnet wird. Im Sommer folgt dann in Berlin die Dauerausstellung der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. In Aussig soll der tschechische Blick auf „unsere Deutschen“ präsentiert werden, erklärte der dortige Museumsleiter Petr Koura in der Podiumsdiskussion. Der tschechische Historiker geriet mit Posselt aneinander, als er darauf hinwies, dass nicht alle Deutschen in den böhmischen Ländern sich als Sudetendeutsche bezeichnet hätten. Koura versprach, in Aussig die Begriffsgeschichte von „sudetendeutsch“ zu erläutern. Doch wie das Münchner will auch das Aussiger Museum Kulturgeschichte vermitteln. Und Posselt sagte am Ende der Diskussion versöhnlich, die beiden Häuser seien „zwei Säulen einer Brücke“.

Bei der Berliner Dauerausstellung zu Flucht, Vertreibung und Versöhnung soll der Schwerpunkt auf der politischen Geschichte liegen. Vor wenigen Jahren gab es heftigen Streit, als 2015 der damalige Stiftungsdirektor Manfred Kittel abberufen wurde. Kittel habe, so der Vorwurf des wissenschaftlichen Beirats, den historischen Kontext der Vertreibung zu wenig berücksichtigt. Das muss ein von der Bundesrepublik Deutschland getragenes Museum ungeachtet des Leids der Vertriebenen leisten. Das neue Konzept gelobt Besserung. Angepeilt wird eine Synthese von historischem Forschungsstand und Empathie den Vertriebenen gegenüber.

In München besitzen die sudetendeutschen Vertriebenen nun ein Museum, das ihre Kultur und Geschichte würdigt. In Tschechien hat das Museum, wie ein tschechischer Historiker berichtete, keine negativen Reaktionen ausgelöst. Wie aus der Zeit gefallen wirkte jener einsame Demonstrant aus dem deutschnationalen Witikobund, der zur feierlichen Eröffnung des Museums auf seinem Plakat die Frage stellte, ob die Forderungen nach dem „Recht auf Heimat“ nun „musealisiert“ werden sollen.

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