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Muslimisch-jüdische Kolumne : Wie Klicks den Nahostkonflikt bestimmen

  • -Aktualisiert am

Eine Demonstration anlässlich des „Nakba-Tags“, der an die Vertreibung der Palästinenser erinnern soll Bild: Laif

Die Beziehung zwischen Juden und Muslimen steht derzeit nicht unter dem besten Stern. Es fehlt an Differenzierung.

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          Chanukka haben wir geschafft. Nun können wir uns zurücklehnen und entspannt beobachten, mit welcher Hektik das Land die letzte Strecke vor Weihnachten zurücklegt. Zeit der Besinnung, wie man uns zwischen Betriebsfeier und Shoppingtour hektisch erklärt. Auch bei Jahresendansprachen halten wir uns zurück – schließlich endete das muslimische Jahr im August und das jüdische einen Monat später. Grund zu feiern gibt es ohnehin wenig: Nicht nur Omi­kron und schlechtes Wetter, auch die Beziehungen zwischen Juden und Muslimen scheinen aktuell nicht unter dem besten Stern zu stehen. Der Grund? Nichts Neues, sondern der ewige Nahostkonflikt. Es ist erst ein halbes Jahr her, als im Zuge der letzten Eskalation vor deutschen Synagogen „Scheiß Juden“ gerufen wurde.

          Seither verging kaum ein Monat, in dem nicht über Israelhass unter Muslimen debattiert wurde. Ein Rückblick: Im September wurden Vorwürfe gegen die WDR-Moderatorin Nemi El-Hassan laut. Es ging um ihre Teilnahme an der antisemitischen Al-Quds-Demonstration 2014 und ihre Beiträge in den sozialen Medien, vor allem zum letzten Gazakonflikt. Im Oktober stand die ZDF-Comedy-Autorin Yasmin Ayhan in der Kritik, die bei einem Poetry-Slam 2015 dem israelischen Staat das Existenzrecht abgesprochen hatte. Sie raunte davon, dass deutsche Medien durch Zionisten, „die ein Batzen Geld haben“, finanziert würden. Im November wurden antiisraelische Äußerungen mehrerer Mitarbeitenden der Arabisch-Redaktion der Deutschen Welle bekannt. So bezeichnete eine Redakteurin Israel als Krebsgeschwür, ein anderer Mitarbeiter forderte die Hinrichtung aller, die mit Israelis zu tun haben. Im Dezember war es der neu gewählte Landessprecher der Linken NRW, Jules El-Khatib, der sich Nachfragen gefallen lassen musste: Er hatte 2014 eine antiisraelische Kundgebung mitorganisiert und später auf Facebook eine Landkarte, auf der es Israel nicht mehr gibt, mit „Gefällt mir“ versehen. Jeder diese Fälle steht für sich, und sicherlich sind nicht alle Fälle gleich zu beurteilen. Eines scheint aber klar: Wir kommen nicht darum herum, über Muslime und ihre Haltung zu Israel zu reden.

          Meron Mendel und Saba-Nur Cheema
          Meron Mendel und Saba-Nur Cheema : Bild: David Bachar

          „Es muss das erste Mal gewesen sein, dass ich von Israel hörte. Als mein Vater deutscher Staatsbürger wurde und ich den alten, nun ungültigen pakistanischen Pass zur Erinnerung behalten wollte, las ich: ‚This passport is valid for all countries of the World except Israel.‘ Sonst hat der Staat Israel in meiner Familie keine Rolle gespielt. Das ist sicherlich nicht repräsentativ für die muslimische Community. Von muslimischen Mitschülern bekam ich gelegentlich mit, wie sie Israel als verfluchten Staat beschimpften und vor Supermärkten wie Aldi und Lidl warnten, da sie ihre Einnahmen an Zionisten spenden würden.“

          In jedem zehnten Beitrag

          „Ich kann mich noch gut an ein Abendessen von DAAD- Stipendiaten in Weimar erinnern. Die Sitzordnung im Saal erfolgte nach Herkunftsregionen. Als meine Tischnachbarn aus Nahost mich als Israeli erkannten, verließen sie demonstrativ den Tisch. Letztlich saß ich allein mit der von der Situation sichtlich überforderten Koordinatorin, die sich gebetsmühlenartig im Namen der Veranstalter und des deutschen Volkes entschuldigte. Die anderen Stipendiaten, die sich inzwischen am Nachbartisch versammelt hatten, traute sie sich allerdings nicht anzusprechen.“

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