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Generationen im Geschäft : Der Profit der Familienwerte

  • -Aktualisiert am

Mittwochs ist er nur für seinen Enkel Emil zu sprechen: Geschäftsführer Siegfried Huhle Bild: Huhle Stahl- und Metallbau GmbH

Huhle Metallbau hebt den Schatz der Generationen: Das hessische Familienunternehmen blickt auf eine über einhundertjährige Geschichte zurück. Aber der Seniorchef Siegfried Huhle weiß, dass sich der Erfolg nicht am Geld allein bemisst.

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          Familienunternehmen gelten als besonders nachhaltig, denken sie doch in Generationen. Huhle Stahl- und Metallbau in Wiesbaden ist ein solches Unternehmen. Und ein besonders schönes. Am Rande Wiesbadens in einem Industriegebiet gelegen, sticht das Firmengebäude sofort ins Auge. Modernes Design, eine innovative Metallverkleidung und Photovoltaikelemente sprechen eine zukunftsgewandte Sprache. Drinnen und in den umliegenden Hallen und Nebengebäuden arbeiten über hundert Mitarbeiter. In Wiesbaden und im Umland stehen viele Neu- und Umbauten, auch Brücken und Straßenmöblierungen, die in diesen Hallen konstruiert und hergestellt wurden. Seniorchef Siegfried Huhle, seine Ehefrau Ursula, Bruder Günter und Sohn Oliver mit Ehefrau haben hier das Sagen.

          Gemeinsam leiten sie ein echtes Familienunternehmen. Wer Siegfried Huhle mittwochs sprechen möchte, hat Pech gehabt. Mittwochnachmittag ist „Emil-Tag“. An seinem sechzigsten Geburtstag hat Siegfried Huhle entschieden, weniger zu arbeiten und einen halben Tag in der Woche mit Enkel Emil zu verbringen. Das hält er seit zwei Jahren durch. Dass der Senior Zeit für dieses Enkelglück hat, verdankt er der Tatsache, dass Bruder und Sohn das Unternehmen inzwischen ohne ihn führen können.

          Beim Geld hört es nicht auf

          Vor zwei Jahren hat er die Geschäftsleitung in ihre Hände gelegt. Dies war nur möglich, weil sich Huhle immer Zeit für die Familie genommen hatte. „Ich habe gelernt, dass ich nicht jammernd und erschöpft nach Hause kommen darf, sondern strahlend und voller Energie für die Familie. Anders hätte ich meinen Sohn nicht motivieren können, in das Unternehmen einzutreten.“ Die Familie, weiß Siegfried Huhle, „verlangt auch ihr Recht“. In diesem Fall war es seine Ehefrau. „Meine Frau“, sagt Huhle, „hat mir wahnsinnig Druck gemacht“. Mit Erfolg. Als Siegfried Huhle den Metallbaubetrieb von seinem Vater 1984 übernahm, zählte er zwanzig Beschäftigte. Heute sind es über hundert. Der 15 Jahre jüngere Bruder stieg 1991 mit ein.

          Gemeinsam sind sie nicht nur auf ihren ökonomischen Erfolg stolz, sondern auch auf die vielen Auszeichnungen, die das Unternehmen für sein ökologisches und soziales Engagement erhielt. Die Huhles führen ein Ökoprofit-Unternehmen der ersten Stunde. Jahr um Jahr investierten sie in Energie- und Wassereinsparungstechnologien. Der Büroneubau von 2010 erfüllt den Passivhausstandard und produziert mehr Energie als er verbraucht.

          Man kümmert sich

          Und dann die Ausbildung. Der Handwerksbetrieb bildet so gerne und so gut aus, dass der Nachwuchs als Entschuldigung für das stetige Wachstum des Unternehmens herhalten muss: „Wir übernehmen alle Lehrlinge befristet. Dann sind sie aber immer so gut und uns so ans Herz gewachsen, dass wir sie behalten wollen.“ Was bleibt dem Unternehmen da anderes übrig, als noch ein wenig zu wachsen, auch wenn man es eigentlich nicht will?

          Meisterfrau Huhle ist für Personal und Buchhaltung zuständig. Ihre familiäre Sorge macht auch vor den Familien der Mitarbeiter nicht halt. Wer eine Wohnung sucht, ein Darlehen braucht oder einen Kita-Platz, wendet sich an die Chefin. Wer Nachwuchs bekommt, dem zahlt das Unternehmen drei Jahre lang Windelgeld. Kitschig schön, möchte man meinen. Aber wahr. Und warum das alles? Aus Liebe und Respekt vor der Familie und den Mitarbeitern und dem Wunsch nach einer langfristigen Bindung an das Familienunternehmen, sagen die Huhles.

          Auch wenn es dieses Foto nicht gibt, lässt es sich mühelos vorstellen: Siegfried Huhle im Schwimmbad mit zwei Enkeln im Arm. Welches Glück für alle. Und hart erarbeitet. Mit Hingabe für Familie und Unternehmen. Siegfried Huhle ist sich ganz sicher, dass er nicht nur im Schwimmbad um seine Enkel beneidet wird. Ein klarer Fall von immateriellem Reichtum: Enkelreichtum.

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