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Nach der Wahl : Eine Zäsur in der Geschichte Italiens

  • -Aktualisiert am

Wahlsiegerin des rechten Rands: Georgia Meloni Bild: AP

Steht der Faschismus vor der Tür? Wie alle einschneidenden Ereignisse hat auch der Wahlsieg von Giorgia Melonis Partei eine Vorgeschichte. Ein Gastbeitrag.

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          Giorgia Melonis Wahlsieg markiert eine Zeitenwende in Italien, einen epochalen Umschwung, der symbolisch und kulturell noch schwerer wiegt als politisch. Denn der Sieg der Partei, die sich mit ihrem Symbol, einer Flamme in den drei Nationalfarben, in die Tradition des italienischen Postfaschismus stellt, untergräbt das Fundament, auf dem die Italienische Republik samt ihrer Verfassung nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde: den Stellenwert des antifaschistischen Kampfs und die Bedeutung der Resistenza. Das ist das eigentliche Stigma, das vulnus spirituale, das die Demokratie des Belpaese nun trägt.

          Folgende Geschichte von Giorgio Almirante ist bekannt. Wie er als Vorsitzender des Movimento Sociale Italiano – die Partei beanspruchte für sich sowohl das politisch-ideologische Erbe Mussolinis und seines Faschismus als auch das der Republik von Salò – in den Siebzigerjahren von einer Kundgebung in Norditalien über die Autosole, also jene Autobahn, die als Inbegriff des neokapitalistischen Wirtschaftswunders in Italien galt, nach Rom zurückfuhr und an einer Raststätte hielt. Der spontane Protest der Angestellten, die Almirante zur Persona non grata erklärten und ihn nicht bedienten, zwang ihn, seine Reise umgehend fortzusetzen. Würde Giorgia Meloni heute dort einkehren, würden die Angestellten wahrscheinlich aufs Neue ihre Arbeit niederlegen – allerdings nur, um ihr zu applaudieren und sie ihrer politischen Unterstützung zu versichern.

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