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Muslime in Amerika : „Sie sagten, ich hätte Schuld an dem, was passiert war“

  • -Aktualisiert am

New Yorker Polizisten schließen sich einem Gebet im Islamischen Kulturzentrum in Manhattan am 26. August 2010 an. Bild: Reuters

Amerikanische Muslime leiden bis heute unter dem Generalverdacht, der sie nach dem 11. September 2001 traf. Sogar muslimische Wohltätigkeitsorganisationen werden verdächtigt.

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          Shaniyat Chowdhury war neun, als Terroristen vier Flugzeuge entführten und drei davon in das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington lenkten. In den Tagen nach dem 11. September 2001 sei alles anders gewesen, erinnert er sich heute. Plötzlich wollten Kinder nicht mehr mit ihm spielen. Damals wohnte Chowdhury mit seinen Eltern, die aus Bangladesch stammen, in einer Vorstadt von Atlantic City in New Jersey. Die meisten Kinder in der Nachbarschaft waren weiße Nichtmuslime. Bis dahin hatte das für den Grundschüler keine Rolle gespielt. Doch von einem Tag auf den anderen seien seine Freunde keine Freunde mehr gewesen. „Einige sagten mir sogar direkt, dass ich Schuld hätte an dem, was passiert war.“

          Chowdhury erinnert sich besonders an ein Mädchen, mit dem er oft gespielt hat: „Ihr Vater war Polizist, und sie durfte sich nicht mehr mit mir treffen.“ Bald sei er nicht nur traurig gewesen, sondern auch wütend, sagt der Neunundzwanzigjährige: „Ich geriet in Schlägereien, wurde zeitweise von der Schule suspendiert. Meine Eltern wussten nicht, wie sie reagieren sollten.“ Letztlich sei die Familie umgezogen. Doch als sie in einer anderen Vorstadt nach einer Wohnung suchten, sei ein Nachbar auf sie zugekommen und habe gesagt, dass sie dort hingehen sollten, wo sie hergekommen seien.

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